Weitere Fotos von der Tour finden sich auf der Seite von Jan Förke.

Nach ihrer Reparatur in Leszno erreichte Pm 36 2 aus eigener Kraft (zusammen mit der abendlichen Leerfahrt der Personenzuglok) am Abend des 18. Juni 2003 Wolsztyn. Noch am selben Abend wurde die Maschine kalt gemacht, da weitere Probleme u. a. mit den Radreifen wohl einen Aufenthalt im Aw erforderlich machen. Alle Dampfzüge wurden von Ol 49 69 und 111 gefahren. Der Rangierdienst in Wolsztyn und der Güterverkehr wurden vier Tage zuvor verdieselt (SM 31 158). Zwei Wochen später sollte der Güterverkehr wieder mit Dampf gefahren werden (Ol 49 oder Pt 47).

Die dampfbespannten Personenzüge bestanden aus vierteiligen Doppelstockeinheiten in grüner oder orange/gelber Farbgebung. Einige Wagen trugen Graffiti. Manchmal war es nicht leicht, diese Graffitis mit Bahnwärterhäusern, Bäumen oder Büschen oder Bäumen zu verstecken. Trotzdem gelangen uns einige gute Aufnahmen. Die Zugeinheit für die Relation Wolsztyn - Poznan wurde über die gesamte Zeit nicht getauscht.
Bedauerlicher Weise sind einige Bahnhofsgebäude und Stellwerke mit Vollgraffitis übertüncht worden. Besonders grässlich sieht der Bahnhof Rostarzewo aus, der einst einen fotogenen Hintergrund abgab.


Die Züge verkehrten meist pünktlich. Die Verfolgung des Zuges nach Leszno ist relativ schwierig, mehr als vier gute Stellen bekommt man kaum. Die Züge nach Poznan kann man je nach Straßenverkehr zwischen fünf und zehn mal überholen.
Im Betriebswerk von Wolsztyn waren die Lokomotiven Pm 36 2 (kalt), Ol 49 23 und 59 (beide kalt) Ol 49 69 und 111 (beide im Einsatz), Tr 5 65 (am Sonntag für einen Sonderzug im Einsatz) und Pt 47 112 (kalt). Am Eingang zum Bw war Ok 1 223 in hervorragendem Zustand ausgestellt.
Die Züge enden in Poznan am Außenbahnsteig auf Gleis 4 a, obwohl in den Fahrplänen Bahnsteig 5 angegeben ist. Am Eingang zum Betriebswerk steht Ok 1 359 abgestellt. Zum Betreten des Betriebswerkes benötigt man eine offizielle Genehmigung.
Zusätzlich zum Dampfumlauf wurde der Zug Zbanzynek Leszno auch am Samstag und am Sonntag mit Dampf bespannt.
Die Straßenbahn von Poznan setzt neben polnischen Fahrzeugen auch noch sechs- und achtachsige Duewag Treibwagen ein.

Ein Abstecher führte uns zu einer der letzten polnischen Schmalspurbahnen mit planmäßigem Reisezugverkehr. Im Einsatz stand der rumänische Triebwagen MBxd2 226. Der Mittagszug war mit zwei Mann Personal besetzt und beförderte einen einzigen Reisenden: einen Eisenbahnfreund! Auf dem Rückweg warteten zwei Mädchen an einem der Haltepunkte, jedoch einige Minuten vor dem Eintreffen des Triebwagens kam ein Linienbus vorbei, der die beiden aufnahm.
Der teilweise katastrofale Oberbau ermöglichte dem Triebwagen nur Geschwindigkeiten um 20 km/h. Eine Mitfahrt ist auf jeden Fall ein spannender Ausflug für den Eisenbahnfreund, nicht jedoch für den gewöhnlichen Fahrgast (so es denn außer Schulkindern welche geben sollte). Da eine gut ausgebaute Straße parallel verläuft, grenzt es an ein Wunder, dass diese Bahn noch nicht stillgelegt wurde. Im Winter gibt es zwar einige Kohlewagen nach Wielichowo zu transportieren, aber davon kann die Bahn wohl kaum überleben.

Der Triebwagen stoppte auf jeder Unterwegsstation. Ein Bahnmitarbeiter sprang aus dem Wagen und heftete an die teilweise ziemlich verfallenen Wartehäuschen ein Zettel dem zu entnehmen war, dass auf der Bahn zwischen 23 und 30. Juni nur der morgendliche Schülerzug und danach bis zum 31. August gar kein Zug verkehren würde.
In Wielichowo fragte das Personal nach 20 Zloty für eine Fotogenehmigung, die in Smigiel auch gegen eine Quittung entrichtet wurden.
Mit einem stark verringerten Teilnehmerkreis ging es anschließend noch an die Ostbahn. Im Einsatz waren ST43 (Schnellzüge und Güterverkehr), SP 42 und SU 45 (beide ausschließlich vor Reisezügen). Bei einem kurzen Rundgang im Depot Krzyz konnten von den sechs dort noch beheimateten ST44 (Klasse M62) noch vier abgestellt gesehen werden. Sie werden nicht mehr als Reserve vorgehalten. Überraschender Weise waren auch die meisten SP32 abgestellt, lediglich eine Maschine stand zu Fristarbeiten im Schuppen. Im Abschnitt nach Küstrin wurde jedoch keine der keine 15 Jahre alten rumänischen Lokomotiven gesichtet.


Die Streckenabschnitte mit Telegrafenmasten nehmen weiterhin ab. Es konnte lediglich ein einziger, rund 200 m langer Abschnitt gefunden werden, auf dem beiderseits vom Gleis noch Doppeltelegrafenmasten, und diese auch in erbärmlichen Zustand, vorhanden waren. Einseitige Doppeltelegrafen gibt es noch häufige, aber man auch hier schon lange suchen, um gute Motive aus diesen Relikten des Fernmeldewesens zu finden.
Durch den nahezu völligen Zusammenbruch des Güterverkehrs (wir sahen in zwei tagen einen einzigen Güterzug) und die starke Reduzierung des Reiseverkehrs dürfte der Strecke eine umfangreiche Rationalisierungsmaßnahme bevorstehen. Bahnhöfe mit Ein- und Ausfahrstellwerk und Fahrdienstleiter dürften in nicht allzu ferner Zukunft der Vergangenheit angehören. Auch ist es fraglich, ob die bankrotte PKP noch lange an der Zweigleisigkeit der Strecke festhalten wird. Die letzten Telegrafenmasten könnten schon im nächsten Jahr abgeholzt sein.

Von den an der Strecke siedelnden Störchen leben nur noch drei Paare auf den Telegrafenmasten der Bahn. Für diese sind mittlerweile Neubau-Betonmasten etwas abseits der Strecke aufgestellt worden, womit auch dieses herausragende Motiv bald Geschichte sein dürfte.

Die feldbahnartige, 150 Meter lange Bahn im Kalksteinwerk Stare Kurowo (Altkarbe) ist immer noch im Einsatz. Die Wagen laufen meist ungekuppelt durch Schwerkraft der B-gekuppelten Diesellok hinterher. Drei Arbeiter sind den ganzen Tag damit beschäftigt, die Steine von der Fabrik über die Straße zu schaffen, dort abzuladen, mit Stahlbandagen zu "verpacken" und auf einen Lkw zu verladen. Diese Technologie sieht sicher keiner allzu großen Zukunft entgegen, womit auch das Schicksal der kleinen Bahn bald besiegelt werden dürfte.
In Gorzów verkehrten ebenfalls sechsachsige Duewag Triebwagen auf der fotogenen Straßenbahn.