Classic Hits in Nordchina, März/April 2002, Teil 3


Der Artikel ist auf Grund seiner Länge in vier Abschnitte geteilt:

  • Die Sichtmeldungen und Forschungsergebnisse, nebst einer kleinen Einleitung
  • Die Waldbahnen mit Dampfbetrieb mit Landkarten
  • Zur Sicherheitslage, mit einem Artikel von Florian Menius (in deutsch)
  • Die Tabelle mit den bekannten Dampfstrecken in China (Stand 1.5.02)
  • This tour report is available in English on the pages of Rob Dickinson and Florian Menius.


    Hier finden Sie

  • Reise und Preise
  • Die Foto Mafia von Jingpeng und anderswo
  • Florian Menius - Sicherheit auf Reisen in China
  • Ursachen

  • China welcomes the Olympic Games - China won't welcome you!

    Das Reisen im Reich der Mitte wurde nach einer "Schönwetterphase" in den 90er Jahren zuletzt immer problematischer. Einerseits hat man den ausländischen Touristen als Melkvieh für ungeahnte Profite ausgemacht, andererseits sieht es die Staatsmacht nicht gern, wenn kamerabehängte Touristen Dampflokomotiven und alles, was sonst noch als alt und unschön gilt, ablichten. Niemand hat etwas dagegen wenn man Prunkbauten oder das, was "Architekten" heutzutage dafür halten, besucht, bestaunt und fotografiert, auch die Leistungen des alten Chinas, Gräber und Mauerreste werden gerne (am Besten gegen Bares) präsentiert, doch das wirkliche Leben, das soll besser hinter Glitzerfassaden und dem neuen Kapitalismus verborgen bleiben. Der oberflächliche Blick ist durchaus erwünscht, in die Tiefe oder gar ins Detail soll man nicht vordringen.

    Sprachkenntnisse sind mittlerweile vielerorts erforderlich, möchte man sich nicht mit stark überhöhten Preisen abfinden. Neben einigen eher harmlosen Unannehmlichkeiten wie Ausweisungen trotz Aufenthalt in nicht gesperrten Gebieten oder Filmverlusten sind mittlerweile tätliche Angriffe bekannt geworden (siehe weiter unten). Daß Personen, die mit dem Messer drohen, zum Äußersten entschlossen sind, ist unzweifelhaft, denn auf diese Art von Verbrechen stehen in China höchste Strafen aus. Man riskiert als Verbrecher also sowieso Alles oder Nichts. Dagegen hilft nur das Reisen wenigstens als Zweiergruppe oder mit einem örtlichen Führer!

    Am Jingpeng Pass hat sich eine "Foto-Mafia" etabliert, die ausländischen Besuchern pro Tag 50 Yuan abnehmen möchte. Die Personen, die dieses "Geschäft" betreiben sind dazu keineswegs legalisiert, haben aber bis in höchste Kreise der örtlichen Verwaltung und der Polizeikräfte mit Bestechungsgeldern Komplizen gekauft. Diese Personen tun nichts für die Entwicklung der Region oder für die Bahn, sondern nur etwas für ihre eigene Brieftasche. Diese dürfte mittlerweile gut gefüllt sein, da sich chinesische Reiseleiter von Gruppen der Zahlung kaum entziehen können, da die Personen einen immensen psychischen Druck ausüben (wie "Nachtbesuche" im Hotel). Wer diesen Personen Geld gibt unterstützt die Korruption (auf die im schlimmsten Fall die Todesstrafe steht) und leistet dem weiteren Ausnehmen anderer Reisender Vorschub. Daher sei hier eindringlich die Verweigerung jeglicher Zahlungen angemahnt, auch wenn diese Personen vor Arroganz nur so strotzen. Reisende ohne chinesischen Führer, die entschlossen genug auftreten, werden in aller Regel in Ruhe gelassen, einem chinesischen Reiseleiter aber macht man den Aufenthalt zur Hölle, sollte nicht gezahlt werden. Hier die Namen der Personen, die Polizei- und andere Beamte mit den Geldern, den sie Touristen abgenommen haben, korrumpieren: Liu Shu Shan, E. Erdun und Zhang Wenzhong.

    Eintrittsgelder werden für Dampflokfreunde ebenfalls fällig in Daban (50 oder 100 Yuan) für die Besichtigung des Depots, in Tiefa (man erhält eine offizielle Genehmigung von der Minengesellschaft für 100 Yuan) und von Hegang (Depot-Besichtigung für 50 Yuan). Diese Gelder werden aber von autorisierten Gesellschaften eingezogen und sind damit Rechtens.

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    Florian Menius: Reisen in China - Sicherheit

    China ist nach wie vor ein recht sicheres Land zumindest verglichen mit Ländern z.B. in Lateinamerika.

    Die große Mehrheit der Chinesen ist freundlich und hilfsbereit gegenüber Ausländern. Mit Ausnahme von Taxifahrern in größeren Städten werden sie höchst selten aufdringlich. In eher ländlichen Gebieten die nur von wenigen Ausländern besucht werden trifft man in der Regel "zurückhaltende, höfliche Neugier" an. Aggression gegenüber Ausländern war bis vor kurzem nahezu unbekannt in China.

    In den letzten Jahren hat sich die Lage für den Dampflok-Touristen allerdings verändert. Bis vor wenigen Jahren vollkommen undenkbar in China gibt es inzwischen selbst Raubüberfälle auf Eisenbahnfotografen zu verzeichnen.

    Hegang: Kohleminen in der Krise - in solchen Gegenden ist höchste Vorsicht geboten! 5.4.2002, Xing'anGefährdet sind Ecken wie z. B. Shuangyashan (inzwischen "glücklicherweise" dampffrei). Zwei jeweils allein reisende Fotografen wurden bei hellichtem Tag beim Entlangwandern an der Gleisen von Einheimischen angehalten, mit Messern bedroht und ihrer Fotoausrüstung und des Bargeldes beraubt bzw. sogar niedergestochen und beraubt. Das Leben des betroffenen Eisenbahnfreundes konnte in einem Krankenhaus glücklicherweise gerettet werden. In Weihe an der dortigen Waldbahn wurde im Frühjahr 2002 ein ähnliches Vorkommnis gemeldet. Ein einzelner Fotograf wurde ebenfalls mit einem Messer bedroht zur Herausgabe seines Bargeldes gezwungen.

    In Shanhetun entkam ein ebenfalls allein reisender Eisenbahnfan nur mit Glück einem Handgemenge als eine Gruppe betrunkener Chinesen ohne erkennbaren Grund Geld forderte und schließlich versuchte, ihm die Fototasche zu entreißen. Die versammelte Menge der Unbeteiligten unternahm keinerlei Anstalten, dem Bedrohten zu helfen oder die Polizei zu verständigen.

    Früher ebenfalls undenkbar waren Ereignisse wie in Lindong im Februar 2002 als ein Chinese einem Fotografen mehrere belichtete Filme aus der Fototasche entwendete und anschließend Geld forderte für die Rückgabe der Filme.

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    Mögliche Ursachen

    Durch den zunehmenden Dampflok-Massentourismus sinkt die Hemmschwelle gegenüber Ausländern. Mit sinkender Zahl der Dampflokziele konzentrieren sich die Fotografen auf immer weniger Orte in China. Es gibt im Winter Gegenden wie z.B. die Waldbahn Weihe oder der JingPeng Pass, wo durchgehend Ausländer präsent sind - teilweise dutzendfach. Zum Jahreswechsel 2001/2002 sollen z. B. allein mehr als 100 Japaner in Reshui gewesen sein, zuzüglich mehrerer westlicher Reisegruppen. Durch die ständige Präsenz von Fotografen sinkt der Respekt der Chinesen vor Ausländern und damit auch die Hemmschwelle für kriminelle Aktionen.

    Hinzu kommt die bestehende hohe Zahlungsbereitschaft unter den Fotografen. Der Dampfbetrieb findet heute tendenziell eher auf schwach befahrenen Strecken statt. Viele Fotografen, insbesondere geführte Gruppen und Besucher aus Fernost (Japan) versuchen ihre nur begrenzt zur Verfügung stehende Zeit durch Geldeinsatz ("Kaufen von Zügen") zu kompensieren. Teilweise ist dabei ein Denken anzutreffen, daß mit entsprechendem "Cash" sogar betriebliche Belange der Bahnen verändert werden können. Es besteht eine hohe Zahlungsbereitschaft um den "richtigen Zug zur richtigen Zeit am richtigen Ort" zu haben. Die gezahlten Beträge sind für chinesische Verhältnisse teilweise horrend, erreichen oftmals chinesische Monatsgehälter und werden (in Einzelfällen) sogar ohne Gegenleistung bereitwillig bezahlt! Es ist nicht verwunderlich, wenn dann der Eindruck entsteht, daß die "reichen Ausländer" ihr Geld unbedingt loswerden wollten, regelrechte Steilvorlagen zum Abzocken liefern ...

    Wahrscheinlich die bedeutendste Ursache ist jedoch die wirtschaftliche und politische Umbruchsituation, in der sich China befindet. Die verbliebenen Dampfreservate liegen zu einem guten Anteil in Gegenden Chinas, die vom wirtschaftlichen Niedergang des Bergbaus und der Schwerindustrie gekennzeichnet sind. Geschlossene Minen, brachliegende Industrien und Slumbildung, Massenarbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven lassen das Aggressionspotential ansteigen.

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    Resümee

    China im allgemeinen ist nach wie vor ein sicheres Reiseland. Angesichts der jüngsten Entwicklungen ist jedoch gesteigerte Vorsicht angebracht. Riskant ist das Besuchen von Gebieten mit starken, wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Brachliegende Industrien oder Minen sollten als Warnungen verstanden und Slums gemieden werden. Auffallend bei obengenannten Vorkommnissen ist, daß bei den Überfällen stets allein reisende Fotografen betroffen waren. Es ist ratsam, solche Gegenden stets mindestens zu zweit zu bereisen.

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    © FarRail Tours - Bernd Seiler - zurück zur Hauptseite