Viseu de Sus im März 2007

Cozia 1 in Novicior

Dies war wohl die feuchteste FarRail Reise überhaupt. Nach der Regenschirmtour nach Zentral- und Südchina im Herbst 2003 hatten wir diesmal wieder richtiges Pech mit dem Wetter. Nach dreieinhalb Jahren war eine verregnete Reise aber auch wahrscheinlich. Irgendwann musste sie kommen, und wir hoffen, dass diese für die nächsten dreieinhalb Jahre die letzte gewesen ist.

Dem Reisebericht zur Waldbahn Viseu de Sus vom Oktober 2006 kann man entnehmen, wie es in Viseu aussieht und wie der Betrieb abgewickelt wird. Mit dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union, hat sich daran nicht viel geändert. Eigentlich gar nichts, außer dass neue Vorschriften es schwieriger machen, zu guten Aufnahmen zu kommen.

Die wesentlichen Ärgernisse bestanden aus einer jeden Tag aufs Neue chaotischen Betriebsführung, beginnend mit einer heftigen Verspätung am Morgen, bevor wir losfahren konnten, und darauf folgend der recht bald einsetzende Stress, wenn wir es denn auf die Strecke geschafft hatten. Dann nämlich wurden die Wagen dringend gebraucht, die wir im Schlepp hatten. Ja, die Wagen ... wir wollten eigentlich lange Züge fahren, aber entweder waren keine leeren Wagen verfügbar, oder es fehlten Kuppeleisen oder beides. Es war nicht möglich, mehr als zehn Drehschemelwagen zu bekommen, egal wie lange wir auch warten mochten oder wie zeitig (Monate im Voraus, am Tag zuvor, am Morgen der Abfahrt ...) wir unser Anliegen vortrugen. Das Grundübel ist, dass es nicht mehr möglich ist, Planzüge mit Dampf zu bespannen. Wir mussten notgedrungen jeden Tag einen Sonderzug chartern und bezahlen, und dieser Zug war nur insofern Sonder, dass wir einige Fotohalte einlegen durften. Aber kaum auf der Strecke hieß es nicht selten, wir seien ein Produktionszug und müssten unsere paar Wagen ganz schnell zu dieser oder jener Ladestelle bringen. Ärgerlich war, wenn diese bereits in Bardau war, wie an einem Tag geschehen. Dann gab es durch die Tunnel nichts mehr am Haken. Aber so wirklich schlimm war es genau an diesem einen Tag nun auch nicht, das Wetter war ziemlich unwirtlich, um es positiv zu beschreiben.

Das Wetter ist eigentlich nicht Bestandteil meiner Reiseberichte. Es ist eben so wie es ist, wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Aber diesmal, in der zweiten Nacht, begann ein Geräusch die Oberhand zu gewinnen, das uns bis zum Ende der Tour nicht mehr verlassen sollte. Dieses Geräusch entsteht, wenn Regen auf Schnee fällt. Die einzige Veränderung im Laufe der Tage war, dass der Regen nicht mehr auf Schnee, sondern auf matschigen Grund fiel. Ja, es gab auch trockene Momente. Im gemütlichen, kanonenofenbeheizten Personenwagen z. B. Oben in Faina wurde aus dem Regen auch schon einmal Schneefall. Am letzten Tag, als wir wieder nach Viseu zurück kehrten, kam dann endlich auch einmal die Sonne heraus. Zu spät für uns ...

nächliche Wagenentladung in Viseu

Unter den gegebenen Umständen war es erstaunlich, dass wir dennoch eine ganze Reihe guter Aufnahmen mit nach Hause nehmen konnten. Wenn die neuen Informationen auch keinen richtigen Reisebericht rechtfertigen, eine kleine Galerie lässt sich trotzdem einrichten.

Den Beteiligten, die sich für das Gelingen der Fahrt eingesetzt haben, muss man alle Achtung zollen, dass sie es trotz der widrigen Umstände (womit nicht das Wetter gemeint ist) verstanden haben, jeden Tag einen, wenn auch kurzen und verspäteten, aber dennoch fotogenen Zug auf die Strecke zu bekommen.

Lokomotiven (ohne abgestellte Maschinen):

Die beiden kleinen Diesellokomotiven „Ecaterina“ und Christina versahen zusammen mit den beiden großen Maschinen L45H 0033 und 0034 den gesamten Streckendienst. Fast den ganzen Winter 2006/2007 über hat man keine Dampflokomotive im Plandienst eingesetzt. Im Sommer, wenn die Touristenzüge fahren, kann es aber wieder zum Einsatz von Dampf im Plandienst kommen. Deshalb arbeitete man auch 764 469 wieder auf, deren Triebwerk man durch tagelanges Fahren ohne Öl vor einigen Monaten ruiniert hatte.

Wir haben versucht, die gelben Streifen der Packwagen mit dem braun der Grundfarbe dieser Wagen zu überstreichen. Das wurde aber strikt verweigert, die Chefs der Bahn wollten dies einfach nicht zulassen. Dabei sehen die verdreckten gelben Streifen keinesfalls besonders gut aus, eine gesamtbraune Farbgebung würde den Wagen viel besser stehen. Aber wo Unwille regiert ...

Cozia 1 wurde mit einem weißen Ring um die Rauchkammertür versehen. Das sieht so aus, wie es sich anhört: schrecklich! Wir haben den weißen Ring schwarz überstreichen lassen, aber sofort nachdem wir das Land verließen, erhielt die Lok wieder diesen weißen Rauchkammerring. Mag sein, dass Touristen das schön finden, es gehört jedenfalls eine ganze Portion Geschmacklosigkeit dazu, weiße Rauchkammerringe und gelbe oder gelbstreifige Wagen als schöne Zugkomposition zu bezeichnen. Aber wenn man die neuen lilafarbenen Häuser in Viseu sieht, dann kann man ahnen, wie es um den Geschmack ihrer Besitzer bestellt ist. Der Reiz des unteren Wassertals wird durch Neubauhäuser und die wohl irgendwann vom Erdweg zur Asphaltstraße mutierenden Verbindung nach Novat mit der Zeit verloren gehen, im oberen Abschnitt sieht es jedoch danach aus, als wenn das unter Landschaftsschutz stehende Tal seinen Zauber zumindest über die ersten Jahre der EU retten kann. Zum Mitfahren und aus dem Zug schauen kann das Wassertal nach wie vor uneingeschränkt empfohlen werden, fotografisch Puristen werden allerdings Abstriche hinnehmen müssen. Trotzdem: Viseu de Sus bleibt eine Reise wert.

kleiner Zug in großem Tal

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