Drei, die um des Fortschitts wegen dem Tode geweiht sind ...
Bitte lesen Sie auch den Bericht über die Vietnamesischen Eisenbahnen.
Die Meterspurbahn Kunming Hanoi gehört zu den Bahnen in der Welt, die durch teilweise spektakuläre Landschaften führen. Leider sind viele der herausragenden Streckenabschnitte nicht durch Straßen erschlossen, so dass man teils lange Fußmärsche auf sich nehmen muss, um zu den schönsten Stellen zu gelangen. Diese lohnen sich dann aber wirklich.
Die spektakulären Abschnitte der Bahn befinden sich leider auf chinesischer Seite. Nach Überquerung der Grenzbrücke in Richtung Süden führt sie entlang des lieblichen, aber eben nicht mehr spektakulären Tales des Roten Flusses. Hier lassen sich trotzdem auch sehr viele schöne Aufnahmen machen, besonders im grenznahen Abschnitt sind die Berge noch dicht an der Strecke.
Warum nun „leider“ auf chinesischer Seite? Nun, in China hat man südlich von Kunming anscheinend ein Problem mit Eisenbahnfotografen. Selbst in kleinen Stationen fühlt sich ein örtlicher Dorfpolizist immer genötigt, erst den Bahnhofschef von der Gefährlichkeit des Fotografierens zu überzeugen und dann die angereisten Ausländer zu vertreiben. Die meisten Eisenbahner selbst sind freundlich und haben keineswegs Probleme mit dem Fotografieren, aber man sollte sich, um sich nicht den Tag zu vermiesen, lieber an der Strecke aufhalten, als auf Bahnhöfen sein Glück zu versuchen. Auf einigen Stationen hieß es sogar, dass niemand außer Eisenbahnern mehr Zugang zum Bahnhof hätte, seit der Reiseverkehr eingestellt worden sei. Auf jeden Fall herrscht im Lande, wo Unfreundlichkeit zumindest seitens der Offiziellen und ihrer Handlanger zur ersten Tugend gehört, eine unangenehme Grundstimmung, die dem Fotografen durchaus bitter aufstoßen kann. Wir geben keine Auskunft über Züge, überhaupt, sie dürfen hier gar nicht sein, wer hat ihnen eigentlich erlaubt, hierher zu kommen ...

Dazu unser Busfahrer, der über jeden winzigen Umweg ein Gewese machte, sich in die typischen chinesischen Ausreden flüchtete (ich könnte einmal ein Buch über „Die unglaublichsten chinesischen Ausreden“ veröffentlichen), die exorbitanten Geldforderungen schon beim Anmieten des Busses und dann auch noch für jeden extra Kilometer, obwohl er am Vortag mal eben 60 Kilometer gegenüber dem Plan gespart hatte. Ein unerschöpfliche Sammlung von Gründen tut sich auf, nicht nach China zu fahren. Es ist einfach ekelhaft und dazu braucht man nicht einmal den Fußboden so manchen Restaurants oder die ordinäre, zugekackte Zugtoilette anzusehen. Wenn da nicht die wirklich sehenswerte Eisenbahn wäre, China sähe mich nie wieder!
Dürfen wir die Grenzbrücke fotografieren? Ja, warum denn nicht? Bitte nicht aus dem Niemandsland heraus, sondern von vietnamesischer Seite. Mit langem Tele eins auf die Brücke löten? Nur zu! Den Grenzbahnhof besuchen, ja halt wir müssen erst zum Bahnhofschef. Weil ... der hatte eine kleine Teerunde vorbereitet, beantwortete unsere Fragen und zeigte uns anschließend den Grenzbahnhof vom Dach des Verwaltungsgebäudes! Einmal ins Depot schauen? Kein Problem, aber aufpassen bei fahrenden Lokomotiven ... Wann fahren denn die Güterzüge? Also, der erste über die Grenze kommt heute um 9.15 Uhr (er kam dann um 9.12 Uhr über die Grenzbrücke gefahren). Überall, wo wir hinkamen, waren wir gern gesehene Gäste, überall, selbst am kleinsten Streckenposten bekamen wir Auskunft über die nächsten Güterzüge, man griff sogar zum Telefon und rief die nächste Station an, um nach der nächsten Zugbewegung zu fragen. Brücken fotografieren? Kein Problem! Ein Land, das erst von der U.S. Air Force in Grund und Boden gebombt und dann 1979 von den Chinesen militärisch angegriffen wurde (Vietnam ging beide Male siegreich aus den Kriegen hervor), zeigt sich erstaunlich offen gegenüber Eisenbahnfotografen. Wohl nicht zu Unrecht sahen wir in der Hauptstadt Hanoi mehr Touristen, als irgendwo sonst in China. Vietnam hat es verdient.

Zurück nach China, auch wenn’s schwer fällt. In Kunming gibt es ein Eisenbahnmuseum (Tel. 0871-61 38 610, geöffnet Di bis So 10 bis 16 Uhr) zur Geschichte der Strecke Kunming Hanoi. Dieses Museum ist in allen Belangen dem lieblos geführten Museum in Peking meilenweit überlegen. Es gab eine engagierte Führerin, die sogar etwas zu den Exponaten zu berichten wusste. Es gibt eine gute Darstellung der Geschichte der Bahn, Fotos, Karten, ein begehbares Relief der Bahn, Modelle und zahlreiche Exponate, wobei die im ehemaligen Lokschuppen abgestellten natürlich die Highlights sind. Dort befanden sich neben interessanten Wagen:
Das Depot in Kunming wurde wie alle anderen der Strecke geschlossen. Sämtliche Wartungsarbeiten an den Dieselloks werden jetzt in Kaiyuan ausgeführt, wo sich das einzige Depot auf chinesischer Seite befindet. Zutritt verboten, alles strategisch hochwichtig, obwohl die Meterspurbahn über kurz oder lang verschwinden wird.
Im nördlichen Abschnitt von Kunming über Yiliang nach Xiaolongtan kann man mit etwa einer Zugbewegung pro Stunde rechnen. In Xiaolongtan befinden sich zwei große Kohletagebaue, in denen teilweise Strafgefangene eingesetzt werden (daher sollte man dort nicht fotografieren). Diese Tagebaue sorgen aber auch für zusätzlichen verkehr zu den Kraftwerken in Kaiyuan, so dass man auf diesem Abschnitt teilweise eine Zugdichte von einem Zug in 20 Minuten sehen kann. Südlich von Kaiyuan gibt es auf der Hauptstrecke nach Hekou ebenfalls relativ dichten verkehr mit ca. einem Zug in zwei Stunden. Die Nebenstrecken nach Mengzi und Shiping sehen jeweils nur ein Zugpaar pro Tag, wobei Mengzi gewöhnlicherweise um die Mittagszeit herum bedient wird, während auf der Strecke nach Shiping einen Zug am Morgen und einen in der Gegenrichtung am späten Nachmittag verzeichnet.

Die Unterspülungen und Bergrutsche im Jahre 2003 nahm man zum Anlass, den Reiseverkehr auf allen Strecken einzustellen. Auch die noch einige Zeit aufrechterhaltene Vorortverbindung in Kunming ist mittlerweile Geschichte. Die Wagen wurden verkauft, man sagte nach Myanmar. Der noch dem Zug nach Shiping beigegebene Behelfpersonenwagen (Umbau aus einem Güterwagen) ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern für die Eisenbahner. Wir haben im Abschnitt Xiaolongtan - Kaiyuan auch Eisenbahner gesehen, die in Ermangelung einer anderen Transportmöglichkeit in einem offenen Güterwagen mitfahren mussten. Die Einstellung des Reiseverkehrs geschah ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung, denn die Straßen in dieser Region sind in einem grauenvollen Zustand und viele Orte entlang der Bahn haben nicht einmal einen solchen Anschluss. Der dichte Güterverkehr lässt sich aber so ungehindert durchführen, die Langstrecken werden durch das bald geschlossene Autobahnnetz m Bus bewältigt und die Dorfbewohner sind wieder in das 19. jahrhundert zurückversetzt, als es noch keine Eisenbahn gab.
Das touristische Potential der Bahn wurde vom alten Manager der Strecke sehr wohl erkannt. Diese führte 1997 den durchgehenden internationalen Zug nach Hanoi ein und sorgte für den Aufbau des Museums. Als an der Führungsspitze des Yünnan-Bahn ein Wechsel vorgenommen wurde, war es vorbei mit der Unterstützung für den Reiseverkehr. Das neue Management sieht seine vordringliche Aufgabe im Ersatz der Meterspurbahn durch einen Regelspurbahn, die derzeit unter enormen Aufwand durch die Berge Yünnans geschlagen wird. Der Personenverkehr hatte keine Priorität mehr, jeder Anlass wurde genutzt, um ihn loszuwerden. Mittlerweile gibt es keinen Personenverkehr mehr, die Bahnsteige sind verweist, Besucher werden auf den Bahnsteigen teilweise nicht mehr geduldet, der Güterverkehr kann ungestört abgewickelt werden. Es besteht keinerlei Interesse daran, einen Sonderzug fahren zu lassen (auf einigen Abschnitten dürfte das auch wegen der dichten Streckenbelegung schwierig sein). Zwei Jahre fruchtloser Versuche, einen Sonderzug auf die Strecke zu bringen, sind im Sande verlaufen. Die drei Möglichkeiten, die genannt wurden, ein solches Projekt zu verwirklichen waren:
1) Man bringe Koffer (aber große bitte) voller Geld vorbei
2) Man möge mit der Familie des General Managers verwandt sein
3) Man lade das Management zu großangelegten Vergnügungen und Reisen ein und werde so zum anerkannten Freund
Keine der drei Optionen ist realistisch, und somit habe ich nach vielen Monaten ein solches Projekt ad Acta gelegt.
Die Bahn wird in nicht allzu langer Zukunft Geschichte sein und wohl abgetragen werden. Momentan wird zwar „nur“ an der Normalspurstrecke Kunming Mengzi Kaiyuan und an der Strecke nach Hekou westlich der Meterspurstrecke bzw. entlang des Roten Flusses gearbeitet, es ist aber unwahrscheinlich, dass man die dicht belegte Meterspurbahn nach Xiaolongtan am Leben lässt. Die Strecke Kunming Yiliang hat schon die fast parallele Normalspurbahn nach Osten (Shilin) bereits als Ausgangsbasis für einen kurzen Abstecher zur Stadt Yiliang, und der Rest zwischen Yiliang und Xiaolongtan muss als verzichtbar eingestuft werden. In den dort befindlichen engen Schluchten und Tälern besteht kaum ein Transportbedarf, worauf schon die einzige halbwegs akzeptable Straßenverbindung nach Panxi innerhalb dieses Abschnittes hindeutet. Gäbe es mehr Verkehrsbedarf, wären dort auch Straßen, so sind es nur die (teils spektakulären) Schluchten, durch die die Yünnan-Bahn fährt. Ist die Normalspurstrecke nach Kaiyuan erst einmal fertig und in Betrieb, wird der Verkehr auf der Meterspurbahn deutlich zurück gehen. Der Abschnitt nach Shiping mit seinen zwei Zügen am Tag wird sofort geschlossen werden. Die Stichbahn nach Mengzi hat dann ebenfalls keinen Chance mehr. Dass die Gesamteinstellung der Meterspurbahn das erklärte Ziel sein muss lässt sich auch daran erkennen, dass der Bau der als Ersatz für die angejahrten DFH21 gedachten DF21 nach 20 Exemplaren abgebrochen wurde. Die DFH21 dürfte mittlerweile zu den ältesten chinesischen Dieselloktypen der Staatsbahn im regulären Dienst gehören.
Man kann nicht sicher abschätzen, wann die Normalspurbahn in Betrieb gehen wird. Vor Ort weiß niemand darüber Auskunft zu geben. Die gesichteten Bauwerke lassen darauf schließen, dass es wohl in zwei Jahren soweit sein könnte. Wer diese Bahn noch in vollem Betrieb sehen möchte, sollte sich also nicht zuviel Zeit lassen.

In Vietnam wurde uns versichert, dass es keine Pläne zum Ausbau auf Normalspur gäbe. Es fehle einfach das Geld dazu. Augenscheinlich ist man in Vietnam mit der Normalspur ohnehin nicht richtig warm geworden, die Hauptlast des Verkehrs wird auf der in ganz Südostasien verbreiteten Meterspur abgewickelt. Allerdings ist das Umnageln auf Normalspur in Vietnam deutlich einfacher und kostengünstiger, als in China, weil die Topografie einfacher ist. Sicher, es müssten die meisten Brücken ersetzt werden, aber die alte Trasse eignet sich ohne größere Anpassungsarbeiten auch für eine Normalspurbahn. Alle Güter, die von China kommend über Hanoi hinaus weiter in Richtung Süden gefahren werden, müssen ohnehin jetzt schon in Hanoi umgeladen werden. Jedenfalls dann, wenn sie in chinesischen Meterspurwagen über die Grenze kommen, denn diese Wagen dürfen nur bis Hanoi verwendet werden. Es ist anzunehmen, dass, wenn China sein gesamtes Netz meterspurfrei gemacht hat, es die nötigen Investitionen in Vietnam selbst vornimmt, um die Umladung von Gütern von den kleinen Grenzorten Hekou und Lao Cai fernzuhalten. Die meisten Güter jedoch gehen nur nach Hanoi.

Über kurz oder lang wird sich eine aufwändige Neuanlage der Eisenbahn in Hanoi nicht vermeiden lassen. Der jetzige Zustand ist bereits jetzt unhaltbar, eine Viaduktkonstruktion durch die Innenstadt wird immer wahrscheinlicher. Mit der Verschandelung der Innenstädte durch Verkehrsbauten hat man in Asien reichhaltige Erfahrungen, und auch wenn man den Vietnamesen im krassen Gegensatz zu China einen Sinn für das Ästhetische und Schöne keineswegs absprechen kann, wird hier wohl vom der Straßenverkehrslobby früher oder später der „Durchbruch“ geschafft werden und die Züge werden eine Etage höher fahren. Dass eine solche Lösung den chaotischen Straßenverkehr nicht zähmen wird, steht auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall würde es der Bahn deutliche Vorteile bringen. Heute darf sie mit Ausnahme eines einzigen Zuges am Mittag, nicht bei Tage durch die Straßen von Hanoi fahren, um den Straßenverkehr nicht zu behindern.
Wenn dann ein solches Viadukt durch die Stadt zur Ausführung kommen sollte, dann ist anzunehmen, dass Profil und Tragfähigkeit gleich für Normalspur ausgelegt werden. Die zweite Verbindung von Hanoi mit China ist bereits als Normalspureisenbahn ausgelegt. Der Norden Vietnams könnte in absehbarer Zeit eine Normalspurdomäne werden, mithin die letzten Reste der über 100 Jahre alten Yünnan Bahn von Hanoi nach Kunming in die Geschichtsbücher verdrängt werden. In Vietnam wird es so schnell nicht dazu kommen, aber die steigende Wirtschaftskraft beiderseits der Grenze wie der stetig wachsende Warenaustausch mit China wird die Weichen für eine Vollspurbahn früher oder später stellen.
Die Strecke entlang des roten Flusses ist dicht belegt. Reisezüge fahren hauptsächlich für Touristen (welche die Minderheiten im Norden Vietnams besuchen) über Nacht, daneben gibt es ein Tageszugpaar. Die Schlafwagen in den Tourizügen sind komfortable und preisgünstig (Gesamtstrecke erste Klasse 26 US-Dollar). Für die Traktion ist die Reihe D12E vom Depot Hanoi verantwortlich.
Güterzüge fahren meist mit einer D10H (das ist die chinesische DFH21, die auch auf der Strecke nach Kunming zum Einsatz kommt), mit einer D10H und einer australischen D5H als Doppelbespannung oder zwei D10H, wobei der Meterlast wegen zwischen zwei D10H immer einige Wagen eingestellt werden.
Der Fahrplan der Strecke passt sich dem Stadtverkehr von Hanoi an: Um den Straßenverkehr nicht zu behindern, fährt zwischen 7 und 18 Uhr so gut wie kein Zug durch die Innenstadt von Hanoi!
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Die Fahrzeiten des SP5/6 sind nur bei der Abfahrt Lao Cai (09.15 Uhr) akkurat, die anderen Zeiten sind nicht genau bekannt. Der zweite Tageslichtzug LC3/4 verkehrt nach Angaben aus Hanoi derzeit nicht. Das Zustandekommen der Bezeichnung LC5 (9) bzw. LC6 (8) konnte nicht geklärt werden.

Auf chinesischer Seite gesichtete Lokomotiven (alle im Einsatz):

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