Es geht zur Neige, soviel ist sicher. Huludao wurde Anfang Dezember 2007 verdieselt, und wir mussten als Ausweichlösung nach Nanpiao fahren. Das Ausbesserungswerk 701 wird sehr wahrscheinlich in 2008 geschlossen. Und besonders störend war die lange Reihe abgestellter Kohle- und Abraumwagen im Tagebau von Zhalai Nuer. Ganz offensichtlich beginnt man mit dem Herunterfahren der Kohleproduktion im Hinblick auf die Schließung des Tagebaues um das Jahr 2010.

Trotzdem war die Reise randvoll mit Dampf gefüllt, wir haben fast 50 Dampflokomotiven im Einsatz gesehen. Es ist definitiv noch viel zu früh, China als nicht mehr lohnenswert zu betrachten. Es erschließt sich mir überhaupt nicht, wenn nach und nach die Dampffreunde diesem Land den Rücken kehren, weil es angeblich keine Reise mehr wert sei. Ich habe von mehreren Seiten über die persönlich allerletzte Reise nach China gehört. Ganz sicher werden sich die Abstinenzler eine Menge entgehen lassen. Jeder einzelne Ort den wir besucht haben, war die Reise wert, und ist es sogar für einen deutlich längeren Aufenthalt (wir planen im Herbst 2008 so eine Reise), wiewohl man einige Dampfzentren sogar als alleinigen Anlass für eine ganze Reise nehmen könnte.

Nein, die Farben sind nicht manipuliert, aufgenommen mit Nikon F100, 2,8/80-200 auf der Legende Fuji Chrome Velvia 50.
Obwohl wir diesmal keinen besonderen Wert darauf gelegt haben, jede einzelne Loknummer zu erfassen, kann man mit Sicherheit sagen, dass mindestens 25 1’D1’ Lokomotiven der Reihe SY im Einsatz waren. Am ersten Morgen unseres Aufenthaltes sah es noch nach einem langsamen Start aus, aber am Nachmittag entwickelte es sich wie gewohnt: zu viele Züge in Bewegung, um auch nur die Hälfte von ihnen ablichten zu können. Es gab dabei herausragende Momente, wo sechs Züge gleichzeitig in Aktion waren, die sogar alle auf ein Bild gepasst hätten. Die Lok mit den großen Ohren, SY 1416, war ebenfalls im Einsatz, wurde aber erst von einem Teilnehmer gesichtet, der seinen Aufenthalt in Zhalai Nuer um ein paar Tage verlängert hatte.
Allerdings, was wir jetzt noch erleben dürfen, ist die Ruhe vor dem Sturm. 63 Wagen standen inmitten des Tagebaus aufgereiht ungenutzt herum! Somit waren auch weniger Züge insgesamt unterwegs, nur der Nachmittag war geschäftig wie gewohnt.
Das Ausbesserungswerk Cheliangchang war unverändert gut, selbst der im Sommer ungenutzte Schuppenbereich war nunmehr wieder voll von Leben. Nanzhan hingegen war eine Enttäuschung, nur zwei Lokomotiven waren dort anzutreffen, einmal die Rangierlok des Wagenausbesserungswerkes und zum Anderen eine Lok, die mit einem Abraumzug herein kam. Diese Lok wurde auch bekohlt und nahm Wasser, allerdings ohne sich jemals vom Zug zu trennen. Sie stand mit der Esse am Zug, war also wenig fotogen.

Der Personenzug, den wir im Herbst 2007 als zwei geschobene Einzelwagen erlebt hatten, war diesmal eine positive Überraschung. Auf seinem Weg vom Bahnhof 510 nach Nanzhan wurden beide Einheiten vereinigt, und so kamen die beiden Wagen mit einer Zug- und einer Schublok daher. Die Schublok arbeitete natürlich bei dieser geringen Last nicht und wurde auch im Bahnhof 536 (wer wissen will, wo diese Bahnhöfe liegen, gehe unter Reiseberichte -> Landkarten auf Zhalai Nuer) abgekuppelt und dampfte dann als Leerfahrt eine Abraumhalde hinauf, um dort einen Zug zu übernehmen.
Zhalai Nuer ist jetzt besser an Peking angebunden als je zuvor. Hainan Airlines hat den Service nach Manzhouli aufgenommen, kaum 30 Minuten vom Tagebau entfernt. Beim Anflug auf Manzhouli hat man einen direkten Blick in das dampfende Loch, rund 20 Maschinen aus der Luft zu betrachten hat schon etwas!

Folgende Lokomotiven konnten wir notieren:

Keine andere Dampfbahn der Welt lässt sich mit dem “Kleinen Pass” vergleichen! Gibt es noch mehr zu sagen? Ich glaube nicht, denn die Bahn wurde hier an dieser Stelle wie auch auf anderen Internetseiten ausführlich beschrieben. Da unserer Gruppe diesmal recht groß war, mussten wir in Lixin auch einige Privathäuser der lokalen Bauern für unsere Unterkunft nutzen. Lehmhäuser ohne Stromanschluss! Beim Abendessen im Kerzenschein fühlte man sich fast ins 5. Jahrhundert versetzt, kaum etwas hat sich seither geändert. Die aufgetischten leckeren Speisen waren fast alle im Umkreis von 200 Metern um unsere Unterkunft gepflanzt und geerntet worden. Das große Plus unseres Aufenthaltes in Lixin war diesmal, dass wir neue Decken haben kaufen lassen. Ein ganz neues Lixin-Gefühl kam auf, wenn man saubere und brandneue Bettdecken zur Verfügung hat anstatt der gewohnten. Diese haben nämlich seit ihrer Entstehung vor rund 20 Jahren nie einen Waschvorgang am eigenen Leibe erlebt und sind dementsprechend dreckig und speckig.
Der letzte Tag unseres Aufenthaltes stand bereits im Zeichen der Schließung der Bahn zum Chinesischen Neujahr. Wie jedes Jahr wird die Bahn für mindestens zwei Monate stillgelegt um dann im Frühling wieder zu neuem Leben zu erwachen. Man fuhr nur noch mit zwei Lokomotiven, wodurch sich die Umlaufzeiten extrem verlängerten. Leider fuhr der erste Zug kurz vor Sonnenaufgang und der nächste erst nach Sonnenuntergang. Aber die beiden Tage zuvor waren wir mit vollem Betrieb und vielen hervorragenden Momenten belohnt worden.



Die Temperatur sank unter minus 30 Grad in der ersten Lixin-Nacht und fiel auf minus 35 Grad am letzten Morgen. Der an diesem Tag aufkommende Wind machte es recht ungemütlich, entlang der Strecke zu wandern und auf Züge zu warten.
Nur um es noch einmal für den Letzten, der es noch nicht vernommen hat, zu wiederholen: Huanan bietet die letzten planmäßig mit Dampf geschobenen Schmalspurzüge der Welt. 2007 war die Strecke sechs Monate in Betrieb, die anderen sechs Monate herrsche Betriebsruhe. Etwas schwierig für den Besucher, der lange im Voraus planen muss, aber wenn sie denn fährt, die Bahn von Huanan, ist sie eine der besten der Welt mit wirklichem Planbetrieb!
Die folgenden Maschinen standen unter Dampf bzw. waren im Einsatz:

Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten. Niemand wusste irgendetwas über weitere Diesellokomotiven zu berichten, die im geliefert werden sollen. In Didao, Donghaikuang, Lishu und Chengzihe verneinten alle Befragten die bange Frage nach Diesellieferungen im Jahre 2008. Die Situation ist damit unverändert gegenüber meinem letzen Bericht. Hengshan hat vier Diesel- und zwei Dampflokomotiven, alle anderen Systeme 100% Dampf.
Der Besuch im zentralen Depot kostet jetzt 200 RMB pro Person.
Diese Maschinen haben wir im Einsatz gesehen:
Chengzihe:
Donghaikuang:


Didao:
Lishu:


Vor wenigen Wochen erwarb die Bahngesellschaft eine weitere gebrauchte B’B’ Diesellokomotive der Reihe BJ. Damit besitzt man jetzt vier BJ. Bei unserem Besuch waren 2 BJ und 3 SY im Einsatz, darunter auch die älteste, SY 0366 von 1971. Eine kürzlich frisch untersuchte SY soll nach dem chinesischen Neujahr in Betrieb gehen. Sie dürfte die letzte untersuchte Lokomotive werden, die hier in den Betriebseinsatz geht. Man sagte uns, dass das Ausbesserungswerk 701 im Jahr 2008 geschlossen werden soll und man dann keine Untersuchungen mehr ausführen könne. Kann nicht mal jemand Bescheid sagen, dass Tiefa auch Hauptuntersuchungen ausführen kann ...
Das GBP-basierte Ortungssystem im Zentralstellwerk wurde leider wieder abgeschaltet. Man musste dafür Nutzungsgebühren zahlen, sah aber keinen direkten Nutzen aus dem Einsatz dieses Systems. Trotzdem ist es recht einfach, auf den zahlreichen Monitoren im Kontrollraum den Standort der Lokomotiven zu ermitteln.
Die Personenzüge halten nicht mehr an allen Bahnhöfen und Haltepunkten. Wir haben die Züge in Jiuerba (= Qiaotou) und Fulongshan durchfahren sehen. Seit 1. Oktober 2007 hat ein neuer Fahrplan den seit Oktober 1994 gültigen abgelöst. Die Nachtpersonenzüge fahren nun nicht mehr.

Der Dampfeinsatz soll bis ca. 2009 langsam beendet werden. Bis dann will man insgesamt sieben Diesellokomotiven zur Verfügung haben. Nanpiao bleibt also vorerst einen Besuch wert. Allein der Marktplatz in Nanpiao ist einen Besuch wert, auch wenn die Gegend zu den staubigsten Chinas gehört.
Wir haben diese Lokomotiven notiert:
Ja, es war frisch um die Nase, man könnte sich sogar dazu hinreißen lassen und behaupten, es sei kalt gewesen. Frühtemperaturen von minus 28 °C in Zahlai Nuer, minus 35 in Huanan und minus 29 °C in Jixi sind nicht zu verachten. Aber es ist eine trockene Kälte, wenn es keinen Wind gibt, ist alles halb so schlimm. Was man aber sonst nirgendwo außer im Kühlschrank von Nordchina zur Winterzeit erleben kann, sind die irren Dampfeffekte. Daher wird Nordchina auch wieder im Jahr 2009 im Winterreiseplan auftauchen. Halten Sie also ein waches Auge auf den Reisekalender und verpassen Sie nicht das Beste an Dampf, was dieser Planet zu bieten hat! Noch ...

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