Um es kurz zu halten: Ja, es lohnt sich immer noch, regulärer Dampfeinsätze wegen nach China zu fahren. Definitiv!

Inhalt:
Hier ist die Liste aller 127 Lokomotiven, die wir im Einsatz gesehen haben (wir haben noch mehr gesehen, konnten aber deren Nummern nicht identifizieren):
Das war das “Versprechen” in der Reisebeschreibung:
„Trotzdem kann natürlich niemand eine Garantie dafür abgeben, dass es tatsächlich 100 im Einsatz befindliche Maschinen sein werden, die wir in so kurzer Zeit erleben können. Wir schreiben das Jahr 2007, je länger wir mit einem solchen Projekt warten, je unwahrscheinlicher sein Gelingen. ... Mit Museumsdampf allein werden sie womöglich nie wieder so viel Dampf um die Nase geweht bekommen, wie auf dieser einmaligen Reise.“
Obwohl wir auf der sicheren Seite gerechnet haben, war es natürlich unmöglich, irgendetwas zu versprechen. Daher war die Tour ein umso besserer Beweis, dass Dampf noch immer am Leben ist und man mit jedem Tag in seinem heimischen Sessel etwas verpasst. Echtdampf nämlich.
Natürlich gibt es auch schlechte Nachrichten. Beginnen wir also mit dem Überblick über die einzelnen Reiseziele.

Diese Lokomotiven konnten im Einsatz gesehen werden (alles SY):
... und diese SY sahen wir kalt im Ausbesserungswerk bzw. Depot:
Es gibt nur eine unbedeutende Änderung gegenüber meinen früheren Berichten: Einer der Schuppen im Ausbesserungswerk wird nicht mehr für Fahrzeuge genutzt. Aber es verbleiben genügend Hallen, um die Lokomotiven bis zur wahrscheinlichen Einstellung des Tagebaus im Jahre 2010 zu unterhalten.

Hier habe ich nur die Lokomotiven im Einsatz aufgelistet, nicht die Museumslokomotiven. Die Schmalspur-SY war für chinesische Touristen angeheizt, die auch einen Sonderzug mit SY 1772 gechartert hatten. Man bot uns an, für 50 Yuan (rund 5 Euro), die Schmalspur-Diesel-Dampflokomotive (die Ölfeuerung der Lok wird von einem Dieselaggregat im Tender angetrieben) einmal selbst zu fahren. Keiner aus unserer Gruppe hat das Disneyland-Angebot angenommen ...
Diese Maschinen standen im Einsatz:
Im Depot fanden wir darüber hinaus:
Diesellokomotiven im Einsatz:
Diesellokomotiven abgestellt im Depot:
Es ist bemerkenswert, dass man einige der Personenzüge verdieselt hat, dafür aber wieder einige Güterzüge mit Dampf fährt. Man sagte uns, dass die DFH3 einerseits nicht leistungsstark genug sind, andererseits ziemlich verschlissen und zudem erheblich teurer als die SY seien (zumindest das ist ja seit Jahren hinlänglich bekannt). Daher setze man sie lieber im leichten Personenverkehr ein (wo sie natürlich auch erheblich teurer sind, als die Dampfloks) und überlasse die schweren Kohlezüge lieber wieder den SY. Es verwundert ein wenig, dass für die nächste Hauptuntersuchung die 1975 gebaute SY 1075 auserkoren wurde, obwohl viele Maschinen jüngeren Baudatums zur Verfügung stehen. Aber es ist natürlich schön zu sehen, dass in Kürze wieder eine 37 Jahre alte Maschine vor Güterzügen im Einsatz zu erleben sein wird, während die deutlich jüngeren Dieselkisten auf dem Rand stehen.
Was die Zukunft bringt ist unsicher. Im Moment sieht es so aus, als würde man die DFH3 alle abstellen und wieder durch Dampf ersetzen wollen.

Diese 16 SY-Maschinen standen unter Dampf:
… und diese Maschinen haben wir abgestellt gesehen, die meisten wohl für immer:
Schlechte Nachrichten: Nachdem man 2006 bereits eine Dieselloks gekauft hatte, sind nunmehr zwei weitere hinzu gekommen. Diese haben im Juli 2007 alle Personenzugleistungen übernommen. Die erste Diesellok war kalt im Depot, die beiden anderen fuhren:
Niemand, den wir befragten, konnte etwas über weitere Dieselloks sagen. Man muss aber davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bevor weitere Dieselloks hier auftauchen. Solange kann man sich noch an deutlich über einem Dutzend richtigen Maschinen im Einsatz erfreuen.
Da ich im Internet und vor Ort keine vernünftige Landkarte zum Fuxin-System finden konnte, habe ich selbst eine erstellt. Wenn ich Zeit habe, werde ich diese verbessern (ich konnte einen Gleisplan mit allen richtigen Stationsnamen ergattern). Die Überarbeitung kann allerdings etwas Zeit in Anspruch nehmen, vielleicht wird es auch nie etwas - ich arbeite 14 Stunden am Tag und schreibe diesen Artikel hier im Flugzeug auf dem Rückweg von Beijing, wo ich durch ein Upgrade fast unbegrenzte Stromzufuhr habe.


Es sieht danach aus, als wolle man sich so schnell nicht von seinen Dampflokomotiven trennen. Es sind immer noch vier Maschinen im Einsatz (alles SY):
Eine weitere wird in Kürze frisch untersucht aus dem Ausbesserungswerk 701 zurück kehren: SY 1299.
Die BJ-Diesellokomotiven sind ebenfalls unverändert im Einsatz.

Dieses AW war nicht im Programm, ich habe es als zusätzliche Überraschung für die Teilnehmer in das Programm aufgenommen. Wir haben folgende Lokomotiven gesehen:
Nunmehr wurde eine dritte QJ, die 7040, komplett überholt und wartet auf ihre Verschiffung in die USA. Die beiden anderen Maschinen stehen immer noch unter der Option, ebenfalls aufgearbeitet und in die USA verschifft zu werden, aber die Chancen sind nicht besonders gut. Die Arbeitskosten für eine Hauptuntersuchung an einer QJ liegen in China erstaunlich günstig. Man berechnet dem Kunden 300.000 RMB (ca. 30.000 Euro) plus Material. Für eine SY fallen ca. 250.000 RMB Lohnkosten an.
JS 6211 gehört dem Kraftwerk Jinzhou, SY 1495 dem Stahlwerk Fushun. Das sind die Aussagen der Arbeiter, also keine geprüften Angaben. Bemerkenswert war die Aufarbeitung der recht alten SY 0313.
Es sieht so aus, als hätte das Ausbesserungswerk ein weiteres Jahr vor sich. Bis Ende September konnte man neun Aufträge für Ausbesserungen für 2008 in die Bücher bekommen. Weitere acht, und das Tunnel-Ausbesserungswerk lebt weiter ...

Diese SY-Maschinen haben wir im Einsatz gesehen:
Daneben haben wir zwei Maschinen im Depot gesehen:
Das Stahlwerk setzt noch 16 Maschinen (alles SY) ein. Wir haben diesmal nicht alle Maschinen im Stahlwerk aufspüren können, da es immer mehr Beschränkungen für Besucher gibt. Allerdings sind die drei wirklich interessanten Orte weiterhin erlaubt: das Depot, der Hochofenbereich und die Schlackehalde.
Die Reihe der ausgemusterten Tenderlokomotiven hinter dem Verwaltungsgebäude hat sich gelichtet, es konnten nur noch ET7 5328 und 5332 dort gesehen werden, die XK sind verschwunden. JS 580001 und YJ 232 sind noch im Depot abgestellt, auch die beiden Denkmallokomotiven stehen natürlich noch auf ihrem Sockel.

Hier konnten wir fünf SY im Einsatz sehen:
Die Diesellok der Armee (DFH5 0117) konnte im Dienst gesehen werden, aber die Armee setzt weiterhin auch SY ein. Es gibt keine Neuigkeiten über die Beschaffung von Diesellokomotiven.
SY 2008 (die originale Nummer ist SY 0701) trägt jetzt ein Zeichen der Olympischen Spiele über der Rachkammer. Diese Lok war für die Güterzüge nach Shenbutong eingeteilt. Es ist sehr schön zu sehen, wie man in Baiyin die Spiele feiert, nämlich mit hammerharten Auspuffschlägen beim Bezwingen der Rampe durch die Lössberge!
Von den abgestellten SY-Lokomotiven haben wir nur einen kleinen Teil nummernmäßig erfasst. Weitere Loks befanden sich im Schuppen:
Ja, ja, alle Kritiker haben Recht, es lohnt sich überhaupt nicht, dorthin zu fahren! Die meisten Züge sind ja nur geschoben. Es ist so fürchterlich langweilig, 32 Maschinen im harten Einsatz zu erleben, Formsignalwagen am Ende der Züge, mit Dampf gezogene und mit Dampf nachgeschobene 50-Wagenzüge durch eine Mondlandschaft zu sehen usw. Die Kritiker sollten es sich in ihrer Ofenecke gemütlich machen, sie wissen nicht und sie werden nie wissen, was sie gerade verpassen ...

Von den 47 Lokomotiven im Bestand waren 32 im Einsatz. 28 davon konnten wir mit ihrer Nummer erkennen (alles JS, außer den gekennzeichneten SY).
Nicht im Einsatz haben wir gesehen:
Sandaoling ist das letzte Unternehmen in China (und damit in der Welt wiewohl sehr wahrscheinlich im ganzen Universum) welches die Lizenz zur Ausführung von Hauptuntersuchungen an Dampflokomotiven erhielt. Seit Juli hat man das offizielle Papier, dass man seine Lokomotiven selbst untersuchen darf. Es gibt keine Ambitionen, Dieselloks zu beschaffen, dafür aber gibt es Pläne, den Tagebau noch mindestens 20 weitere Jahre zu betreiben ...
JS 8194 trägt Fabrikschilder von 1995!

Pingdinshan ist immer noch ein sehr dampfiger Ort. Noch! Denn es sollen weitere fünf Dieselloks in Kürze, also noch 2007, eintreffen. Diese sollen die Leistungen der QJ auf der Strecke nach Yüzhou übernehmen. Hier konnten wir diesmal vier QJ im Einsatz sehen. Im November 2007 soll das bereits Geschichte sein. Trotzdem gehen die Unterhaltungsarbeiten, ja sogar Untersuchungen, an den QJ bislang ungebremst weiter. QJ 6690 wurde gerade ausgeachst. JS 8065 erhielt gar eine Hauptuntersuchung im heimischen Lokschuppen. Sie war fast vollständig zerlegt. Es konnten keine abgestellten Lokomotiven im Depot gesehen werden, alle Loks standen im Einsatz.

Hier ist die Liste der gesichteten Maschinen:
In Reparatur:
Muss man eine Schlussfolgerung ziehen? Ich glaube nicht, alles, was es zu sagen gäbe, ist schon im Text enthalten. Also, sehen wir uns nächstes Mal in China? Die jetzige Tour war ausgebucht, die nächste im Januar 2008 ist überbucht, aber im März 2008 sind wir das nächste Mal dort, um Dampf und Rauch von regulären Zügen zu inhalieren.
Noch etwas zum Reisepreis. Die Preise steigen nicht deshalb so rasant, weil meine Taschen unendlich groß geworden sind, sondern weil die Inflation in China galoppiert. Nimmt man das Jahr 2000 als Basis kann man grob sagen, die Preise in China haben sich verdoppelt. Der letzte Preis aus China für die erste Hälfte der März-Tour hat mich dann aber auch schwer überrascht: rund 2.400 Euro für das Landarrangement ohne Sonderzüge! Die Olympischen Spiele nähern sich mit gewaltigen Schritten ...
© FarRail Tours - e-mail: Bernd Seiler - zurück zu FarRail Tours
Click here to return to FarRail Tours