
Vor dem Beginn der Tour bedauerten zwei Teilenehmer, dass sie diese Tour gebucht hatten. Wäre die Herbsttour zur selben Zeit im Internetz aufgetaucht, hätten sie auf jeden Fall diese Reise gebucht. Kondensierender Dampf in der Morgenfrische und farbenprächtige Bäume wären ja so viel besser gewesen, als das frische Maigrün! Zumindest dachten sie ... Nach ein paar Tagen in Huanan änderte sich die Meinung aber ganz schnell. Trotz des durchwachsenen Wetters konnten wir einige sehr schöne Aufnahmen machen so dass auch die letzten Zweifler nunmehr sicher waren, auf der richtigen Reise dabei zu sein. Der Zauber von Huanan war dabei so stark, dass gleich och eine Buchung für die Herbsttour getätigt wurde ...
Diese Reise war auch in anderer Hinsicht bemerkenswert: Nachdem ich über Monate wenn nicht Jahre mürbe gequatscht worden wäre, dass ich endlich meiner antiquierten Technik (Nikon F100) abschwören und den Eintritt ins 21. Jahrhundert vollziehen solle, habe ich diesen Schritt getan. Ich habe mehr Geld denn je für eine neue Kamera geopfert nur um das zu erwerben, was gemeinhin als das Beste am Markt bezeichnet wird. Ich werde mich dazu noch im Sommer 2008 Newsletter äußern. In Kürze: ja man kann mit dem gekauften Ziegelstein durchaus gute Aufnahmen machen. Aber es ist ein Irrglaube, dass man über 100 Jahre Entwicklung von Filmmaterial innerhalb einer Dekade Digitalentwicklung aufholen könnte. Man sollte mit der Entscheidung für Digital noch solange warten, bis diese Technik dem Film ebenbürtig ist. (Oh ja, ich kann ihn hören, den Aufschrei der digitalen Kommune! Wie gesagt, im nächsten Newsletter werden die Gründe dieser Einschätzung zu lesen sein.)
Zurück zu etwas Erfreulichem: Dampf in China!
Inhalt
Alles lief nach Plan, drei bis vier Lokomotiven waren unter Dampf, davon drei auf der Strecke im Einsatz. Die Gleisbaurotte wechselte fleißig Schwellen (gechätzte 30 % der gesamten Schwellen wurden ersetzt) so dass man davon ausgehen kann, dass die Bahn eine Zukunft hat.
C2 21 043 war der Pechvogel unserer Tour: Auf dem Weg von Honguang nach Lixin brach eine Kuppelstange:

Die Lokmannschaft entfernte die gebrochene Kuppelstange und die Stange auf der anderen Seite und fuhr als Leefahrt nach Huanan zurück:

Dort wurde über Nacht die gebrochene Kuppelstange durch eine neue ersetzt und die Lokomotive zurück in den Streckendienst gegeben:

Nach nur einem Tag erfolgreichem Einsatz mit der neuen Kuppelstange brach am darauf folgenden Tag die Kuppelstange erneut, diesmal mit einem Leerzug am Haken zwischen Tuoyaozi und dem Scheitelpunkt der Strecke, zuerst im Schutz einer Quellwolke vor der Hufeisenkurve ...

... und dann kurz vor dem Scheitelpunkt:


Die Lokmannschaft bemerkte das ...

... kurz vor Erreichen des Scheitelpunktes und stoppte den Zug dort:

Erneut wurde die Kuppelstange und die nicht gebrochene auf der anderen Seite entfernt:

Mit drei gekuppelten Achsen versuchte man dann, den Leerzug vor dem Scheitelpunkt wieder anzufahren, was aber misslang:

Also als Leerfahrt hinunter nach Lixin:

Dort rückte dann die 004 Schornstein voran aus, um den liegen gebliebenen Zug zu holen. Wenig später kehrte sie dann Tender voran nach Lixin mit dem Zug am Haken zurück, ein recht ungewöhnlicher Anblick. Im Gegensatz zu zwei Tagen zuvor wurde 21 043 diesmal nicht gleich als Leerfahrt zurück nach Huanan geschickt, sondern sie half erst noch dem Planzug über den Berg: vorne C2 004 ...

... und hinten schob als C1-gekuppelte Lok C2 21 043:

Dann rollte sie erneut nach Lixin zurück, bevor sie schlussendlich doch als Leerfahrt nach Huanan geschickt wurde.
Die ersten beiden Tage unserer Tour konnten wir uns des Eindruckes nicht erwehren, dass die Lokomotiven von Huanan lichtscheu sind. Die Züge kamen immer im Schutz der dunkelsten Wolke. Lichtempfindliche Lokomotiven eben ... Mit etwas Geduld und Ausdauer kamen wir dann aber noch zu einigen exzellenten Sonnen-Aufnahmen. Eins ist sicher: Huanan im Frühling ist so gut, dass es nach einer Wiederholung im nächsten Jahr verlangt wenn die Bahn dann noch fährt.
Am Ortsausgang von Tuoyaozi ist ein Postengebäude, vor dem irgendwelche Offiziellen den Zugang zum Tal überwachen. Ausländische Touristen haben hier eine Gebühr von 30 Yuan pro Tag zu entrichten, warum konnte niemand genau erklären. Diese Gebühr fällt auch nur in vier Monaten des Jahres an. Wenn sie aber einmal damit angefangen haben und feststellen, wie leicht es sich damit Geld verdienen lässt, dann wird sich das wahrscheinlich in nicht allzu langer Zeit zu einem richtigen Touristennepp entwickeln.
Loks im Einsatz (alle Klasse C2):


Es gibt kaum Änderungen gegenüber früheren Berichten. In und um Jixi dürfen Dampflokomotiven nach wie vor auch die Gleise der Staatsbahn benutzen. Es sieht derzeit danach aus, als wenn sich hier bis zumindest 2010 der Dampfbetrieb halten könnte. Selbst in Hengshan, wo bereits vier Dieselloks im Einsatz stehen, berichtete man, dass vor Ende 2009 nicht mit weiteren Dieselloks zu rechnen sei.
Ein schwerwiegender Verlust ist die Schließung der Strecke nach Qikeng im Lishu System. Die dortige Mine produzierte schon seit Jahren recht wenig, und schließlich hat man sie ganz eingestellt. Mit ihr auch die Bahnstrecke, die mit zwei Spitzkehren und einer starken Steigung sehr fotogen war. Sie wurde bis zuletzt mit den Selbstentladewagen mit hölzernen Seitenwänden bedient.
Lokomotiven im Einsatz:
Donghaikuang System
Chengzihe System


Didao System

Hengshan System



Der Name der Stadt wurde wieder auf Diaobingshan zurück geändert, nachdem sie einige Jahre lang Tiefa geheißen worden war. Warum der Name der Stadt zweimal geändert wurde konnte uns niemand erklären.
Seitdem das Depot von Tiefa in die Lage versetzt wurde, Hauptuntersuchungen selbst auszuführen, konnte man Aufträge des Stahlwerkes Beitai gewinnen. Beitai schickte seine Lokomotiven bis zu dessen Schließung ins Ausbesserungswerk Sujiatun in einem Vorort von Shenyang. Da Beitai selbst keine Besuchsgenehmigungen erteilt, können wir durch die Liste der Ausbesserungen wenigstens die Loknummern erfahren.
Untersuchungen and Lokomotiven des Stahlwerkes Beitai (geordnet nach dem Datum der Untersuchung in Diaobingshan):

Sonst gibt es keine Neuigkeiten von den Lokomotiven Diaobingshans bis auf die eine: Man hat drei neue Dieselloks gekauft! Die im Betreib teuren und wenig befriedigenden DFH3 sind fast alle abgestellt worden und wurden durch die neuen Dieselloks ersetzt. Die Nummern habe ich nicht notiert, erinnere mich aber, dass es wohl DF5B 0037, 0038 und 0039 gewesen sein müssen. Garantieren kann ich das nicht, aber was soll’s, es sind ja eh nur Kisten.
Es war schön zusehen, dass SY 1770 gerade einen neuen Anstrich verpasst bekam während auf dem Schrottgleis daneben DFH3 2008 (was für eine symbolische Nummer im Jahr der Olympiade in Beijing!) auf den Schneidbrenner wartete.



Man hat eine neue Ausstellung eröffnet vor deren Räumlichkeiten eine SY im Freigelände aufgestellt wurde. Die Nummer habe ich nicht notiert.
Für die Besichtigung der in einem speziellen Schuppen abgestellten Lokomotiven muss nun eine zusätzliche gebühr von 50 RMB berappt werden, obwohl schon für den Zutritt zum Depot eine kostenpflichtige Genehmigung erforderlich ist. Diese ist gleichzeitig auch die Fotogenehmigung für das Streckennetz. Wenn man die kleine Modell-SY (auf 762 mm Spurweite) einmal selbst fahren möchte, fallen dafür ebenfalls 50 RMB an.
Während unseres Besuches konnten wir nur einen dampfbespannten Güterzug sehen, alle anderen Güterzüge waren dieselbespannt.
Der Personenzugfahrplan wurde leicht reduziert. Ein Zugpaar, das früher nach Wangqian fuhr, endet jetzt in Xianan. Alle anderen Züge fahren wie bisher, auch nach Wangqian.
Lokomotiven im Einsatz:

Da es mir Spaß macht, Diesellokomotiven auf dem Abstellgleis zu sehen, während die Dampfer draußen noch herumfahren, möchte ich auch die gesichteten DFH3 erwähnen:
Keine Lok dieser Klasse konnte im Einsatz gesichtet werden.

Übersichtskarte über die Strecken von Diaobingshan (Tiefa)

Nanpiao war wieder unter Volldampf! Zwei BJ waren im Einsatz, aber auch vier SY. Seit März 2008 hat der Bahnchef untersagt, im Bahnhof Xiamiaozi zu fotografieren. Die örtliche Polizei ist freundlich, aber bestimmt. Nach einigen Minuten, genaugenommen nachdem wir alles abgelichtet hatten, was wir foto- und videografieren wollten, bat man uns höflich, doch den Bahnhofsbereich bitte zu verlassen. Auf allen anderen Stationen hatten wir hingegen keine Probleme. Das Bahnpersonal ist freundlich wie eh und je.


Lokomotiven im Einsatz:

© FarRail Tours - e-mail: Bernd Seiler - zurück zu FarRail Tours
Click here to return to FarRail Tours