Reisebericht Nordchina September 2004

Übersicht


Zhalainuoer (Zhalai Nur)

Kohleladen in Zhalainuer unter dramatischem Himmel

Im Tagebau herrschte wie gewohnt viel Betrieb. Der wesentliche Unterschied zum Winter bestand darin, dass hauptsächlich Abraum anstatt Kohle transportiert wurde. Weiterhin sahen wir zwei Züge mit SY und Dampfkran die Gleise verlegten, um sie dem voran schreitenden Abbau anzupassen. Von den vielen Maschinen, die wir sahen, konnten 25 mit ihrer Nummer erkannt werden:

SY

  • 0471
  • 0682
  • 0794
  • 0867
  • 1119
  • 1192
  • 1240
  • 1256
  • 1257
  • 1285
  • 1374
  • 1376
  • 1401
  • 1449
  • 1586
  • 1587
  • 1600
  • 1601
  • 1617
  • 1619
  • 1663
  • 1664
  • 1689
  • 1690
  • 3005 (sehr gepflegt)

Fahrplan der Personenzüge in Zhalainuer

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Waldbahn/Kohlebahn Huanan

Huanan: die beladenen Züge werden über den Pass geschoben.

Der Betriebsablauf (und auch der Fahrplan des Triebwagens) hat sich gegenüber meinen früheren Berichten (Oktober 2002 und Februar 2003 in englisch, mit Landkarte) nicht verändert. Der Zustand der Maschinen und der Strecke hat sich jedoch deutlich verbessert. Allerdings kann der täglich neu heraus gegebene Fahrplan für die Güterzüge nach wie vor nur als ganz grober Anhaltspunkt dienen. Zum Beispiel fuhren an einem Tag von vier Zügen, die den Pass bei Tageslicht überwinden sollten, nur zwei tatsächlich auch bei Licht, der zweite allerdings zehn Minuten nach Sonnenuntergang ... Trotzdem, diese Bahn ist ein Muss für jeden Bahnliebhaber. Gibt es sonst wo in der Welt noch eine Schmalspurstrecke, auf der mit Dampf bespannte Züge mit Dampf nachgeschoben werden?

Die eingesetzten Lokomotiven waren:

Huanan besitzt mittlerweile ein neues Hotel, was auch eine warme Dusche hat.

Wir trafen bei unserem Besuch einige japanische und britische Eisenbahnfreunde, die sich zum Erreichen der Fotostellen mit einem Motorrad fahren ließen. Ich habe diese Transportmöglichkeit nur für rund zwei Kilometer ausprobiert und muss sagen, dass mir das Wandern entlang der Strecke wesentlich angenehmer und vor allem sicherer erscheint. Über die Fahrkünste chinesischer Fahrer ist ja bereits an anderer Stelle genug geschrieben worden. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen ...

Sonnenaufgang in Huanan

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Meihekou Kohlemine

Als höchst unerfreulich ist die Ankunft der ersten Diesellokomotive zu vermerken. Die 2004 gebaute, grüne DFH5 4010 wird vor allen Personenzügen eingesetzt, während die Güterzüge weiterhin zu 100% mit Dampf verkehren. Auf einer Seite der Diesellok ist die Nummer spiegelverkehrt angeschrieben: 0104.

Zugdichte und Ablauf des Güterverkehrs sind unverändert.

Meihekou, eine der Paradeloks

Folgende Lokomotiven konnten wir notieren:

DFH5

SY

Die Zukunft der Strecke ist Diesel. Das gesamte System soll bis Juni 2005 verdieselt sein.

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Nanpiao Kohlebahn

Obwohl bereits zu lesen war, dass ein Besuch dieser Bahn nicht mehr lohnen würde, fanden wir weiterhin viele herausragende Fotomöglichkeiten. Die Zahl der Dampfgüterzüge hält sich mittlerweile arg in Grenzen, aber zumindest zwei Personenzugpaare fahren noch täglich mit Dampf.

Die Verdieselung soll vorerst nicht weiter gehen. Grund ist einerseits die angespannte finanzielle Situation der Bahn, andererseits sind die vorhandenen Diesellokomotiven der Klasse BJ nicht in der Lage, die selbe Zuglast über die starken Steigungen zu befördern wie die Dampflokomotiven der Klasse SY. Insbesondere die Steigung zur Abraumhalde hinter Zaojiatun ist immer noch eine Domäne der Dampflokomotiven. Es wurde berichtet, dass das Management gerade nach geeigneten, kräftigeren Gebrauchtdiesellokomotiven sucht. Vor Mitte 2005 erwartet allerdings niemand weitere Diesellokomotiven neben den drei jetzt vorhandenen BJ.

Somit bleibt die Strecke weiterhin Teil meiner Besuchsprogramme. Sie gehört zu den landschaftlich schönsten Kohlebahnen Chinas, die noch mit Dampf fahren.

Man hat nicht immer Glück mit der Sonne in Nanpiao (nur die Teilknehmer verstehen diese Anspielung)

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JiTong Railway

Fast alles wie gehabt, aber:

Baiqi

Baiqi setzt derzeit 7 DF4D, 13 DF4/DF4B und 14 QJ ein. Ende Oktober werden weitere zehn DF4D zum Stückpreis von 5.000.000 Yuan (ca. 500.000 Euro) geliefert. Wenn diese Lokomotiven eingetroffen sind, werden zehn bis zwölf DF4/DF4B nach Daban abgegeben, die dort eine entsprechende Stückzahl von QJ ablösen werden. Die zehn Dieselloks sind bereits gekauft. Während man in Daban von einer Auslieferung Mitte Oktober sprach, ging man in Baiqi von Ende Oktober aus (was realistischer scheint).

Die maximale Zuglast auf dem Streckenabschnitt Baiqi – Haoluku beträgt für eine QJ 2.300 Tonnen, für eine DF4B 2.800 Tonnen und für eine DF4D 3.000 Tonnen.

Für den Oktober 2005 erwartet man in Baiqi die Lieferung einer Anzahl von Dieselloks, die die vollständige Ablösung der Dampftraktion ermöglichen soll.

Man beachte das Bild an der Wand: eine englische Diesellok!
Auf dem Weg nach Baiqi passiert QJ 6987 einen Bahnübergang. Nichts besonderes, wäre da nicht das Bild an der Wand: eine englische Diesellok! In den Dienstgebäuden schmückt man sich auf der JiTong Bahn auch gerne mit TGV-Zügen.

Einsatzbestand des Depots Baiqi zum 30.09.2004

DF4

  • 0392
  • 0490
  • 0537
  • 0539
  • 0582
  • 0660

DF4B

  • 6005
  • 6007
  • 6011
  • 6020
  • 6031
  • 9516
  • 9517
  • 9518

DF4D

  • 4054
  • 4055
  • 4069
  • 4070
  • 4071
  • 4072
  • 4089
  • 4090

QJ

  • 6912
  • 6982
  • 6987
  • 7043 (Rangierlok ohne Windleitbleche)
  • 7052
  • 7088
  • 7136
  • 7139
  • 7140
  • 7141
  • 7114
  • 7118
  • 7138
  • 7162

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Daban

Am 30. September wurde der reguläre Betrieb mit Diesellokomotiven auf dem Abschnitt Daban - Haoluku (über den Pass) aufgenommen. Momentan stehen dafür nur vier Dieselloks zur Verfügung. Im Gegenzug kehrte man auf dem Abschnitt Daban - Chabuga wieder zum reinen Dampfbetrieb zurück. Solange nur vier Diesellokomotiven auf dem Abschnitt nach Haoluku mitmischen, stellen diese keine wirkliche "Gefahr" für Eisenbahnfotografen dar. Aber es kommen sehr bald zehn weitere hinzu ...

Daban wird noch in 2004 eine stationäre Dieseltankstelle erhalten.

Die Fahrzeiten des Personenzuges wurden Ende September erneut geändert. Der Zug ist jetzt im Abschnitt mit Dampfförderung rund 40 Minuten schneller geworden, dafür wurde die Fahrzeit auf dem Dieselabschnitt verlängert. Aus Zeitmangel ("zu viele" Dampfzüge) konnten wir nur einige Fahrzeiten des neuen Planes ermitteln:

6052 Galadesitai 22.37/22.40, Ankunft Baiqi 05.38 Uhr
6051 Daban Abfahrt 6.25, Abfahrt Gulumanhan 7.59 Uhr

Nur kurz unterbricht der Bauer die Ernte, um zu den sich Shangdian nähernden QJ aufzublicken.

Die Mafia in Jingpeng ist nach wie vor aktiv. Diese Subjekte menschlichen Abschaums nutzen weiterhin den Mitsubishi Jeep mit der Nummer D 20814. Eine kleine Geschichte: Während unseres Aufenthaltes erschien die Mafia samt Boss am Abend in unserem Hotel. Da mir unsere chinesische Reiseleiterin verbot, mit diesen Leuten die einzige Sprache zu sprechen, die sie verstehen - nämlich schlagkräftige Argumente -, entleerte ich eine halbe Wasserflasche (leider nur Trinkwasser) über dem Kopf des Mafiabosses. Dieser war daraufhin nass und kehrte in seinem Jeep nach Jingpeng zurück, wahrscheinlich um sich trockene Sachen zu holen. So endete der erste Versuch, Geld aus unserer Reiseleiterin heraus zu pressen, erfolglos. Am Abend, als alle schon schliefen, kehrte die Mafia zurück. Aber wir hatten zuvor mit unserer Reiseleiterin das Zimmer getauscht, so erfolgte der Anruf der Mafia in unserem Zimmer! Pech gehabt, wiederum mussten sich diese "Herren" ohne Geld erpressen zu können, trollen. Wenig später erschien der Mafia Jeep erneut vor dem Hotel. Diesmal in Begleitung mit einem der korrumpierten örtlichen Polizisten mit eigenem Polizeiwagen. Da sie aber die Zimmernummer unserer Reiseleiterin nicht heraus bekommen konnten, verlief der Anruf erneut im Sande - ich hatte das Telefon aus der Dose gezogen ...

Am nächsten Morgen traf die Mafia um 5.30 Uhr erneut am Hotel ein. Die Diskussion über die Geldübergabe gestaltete sich jedoch nur recht kurz - ob wohl das griffbereit stehende massive Manfrotto Stativ dazu beigetragen hat? Da dies der letzte Tag unseres Aufenthaltes in Reshui war, ging die Mafia in diesem Fall leer aus. Allerdings, sollte die gleichzeitig anwesende amerikanische Gruppe den Forderungen der Mafia entsprechend gezahlt haben, hat die Mafia immerhin 18.500 Yuan (über 2.000 US-$) eingenommen. Das einzig Gute an der Verdieselung des Passes ist, dass sich die Mafia ein neues Betätigungsfeld für ihre Erpressung und Korruption, mit der sie die ganze Region Jingpeng - Reshui überzieht, suchen muss. Ich jedenfalls wünsche den "Herren" von der Mafia und ihren korrupten Polizisten und Handlangern einen schweren Stand nach dem Ende des Dampfbetriebes.

Für alle, die noch nicht die Bekanntschaft der Mafia gemacht haben und in den nächsten Monaten zum Pass fahren wollen: Lassen Sie Ihre Geldbörsen geschlossen, diese Leute haben weder das Recht noch die Macht, Geld für eine imanigäre Fotoerlaubnis einzutreiben. Falls Sie mit einem lokalen oder nationalen chinesischen Führer reisen, lassen Sie ihn/sie in einem anderen Hotel schlafen. Schützen Sie ihn/sie vor dem direkten Kontakt mit der Mafia!

Eine weitere Warnung soll noch gegeben werden. Am westlichen Ende von Reshui auf der nördlichen Seite der Straße wurde im Mai 2004 ein neues Hotel, das Huan Bao Binguan, eröffnet. Dieses Hotel ist teurer als das Longchuan Hotel und bietet einen schlechteren Service (zum Beispiel gibt es dort nicht einmal heißes Wasser für einen Tee, was sonst selbst im letzten Bummelzug-Hardseater der Eisenbahn ein absolutes Muss ist. Darüber hinaus wird man für angeblich entwendete Handtücher zur Kasse gebeten, die beim Einchecken gar nicht im Zimmer waren. All das würde schon ausreichen, dieses Hotel nicht zu einem Aufenthalt zu nutzen. Aber das Hotelpersonal unterhält zudem auch noch gute Beziehungen zur Mafia! Das heißt: bereits bei der Ankunft wird die Mafia telefonisch darüber informiert, wie viele Eisenbahnfreunde angereist sind, wie lange sie bleiben, welche Zimmernummer der Reiseleiter hat und zu welcher Zeit der Weckruf bestellt wurde. Noch einmal: Meiden Sie das korrupte Huan Bao Hotel, es gibt bessere Alternativen.

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Quo Vadis Jingpeng!

Jingpeng ist auch nach dem Eintreffen von weiteren zehn Dieselloks noch einen Besuch wert. Falls Sie fürchten, zu spät zu sein, so mag dies für den Fall stimmen, dass Sie dort schon mehrere Wochen zugebracht und die "gute alte Zeit" erlebt haben. Haben Sie dort jedoch bislang nur einige Tage den letzten Dampfmekka der Welt erleben dürfen, so sollten Sie eine weitere Reise schnellstmöglich planen. Selbst wenn nur noch 50 % aller Züge mit Dampf bespannt sein sollten, ist der Pass unbedingt eine Reise wert. Es gibt keine vergleichbare Strecke mit vergleichbar hochwertig-planmäßigen Dampfeinsätzen in der Welt (falls doch, so lassen Sie es mich bitte wissen). Im Durchschnitt sahen wir 14 Züge pro Tag die den Pass bei Tageslicht überquerten. Sollten es nach der Ankunft der nächsten Dieselloks nur noch fünf sein pro Tag sein, so bedeutet das nur einen Rückfall in das Jahr 1996, wo durchschnittlich fünf QJ-bespannte Züge bei Licht über den Pass fuhren. Damals zweifelte wohl niemand ernsthaft daran, dass sich eine Reise dorthin lohnen würde. Weiterhin muss man berücksichtigen, dass die restlichen 400 km Bahnstrecke der JiTong Bahn unter Dampf auch unbedingt sehenswert sind. Nur, weil dort kaum jemand hinfährt, heißt das nicht, dass es sich nicht lohnen würde. Ganz im Gegenteil, die Landschaft ist viel typischer mongolisch als in dem 50 km-"Ghetto" Reshui - Jingpeng. Freilich, es gibt keine Tunnel und Kehrschleifen auf hohen Viadukten. Aber - haben Sie schon einmal 2.300 Tonnen Zuglast hinter einer Dampflokomotive mit 80 km/h an sich vorbeirauschen sehen/gehört/erlebt? Wenn nicht, oder zumindest nicht in den letzten zehn Jahren, dann ist jetzt noch Zeit dazu. Noch.

Packen Sie also Ihren Koffer und nutzen Sie den letzten Winter am Pass, solange dieser noch täglichen Dampf bietet. Vertrauenswürdige Quellen (Daban/Huhehaote) versicherten, dass noch bis mindestens April 2005 Dampf am Pass eingesetzt wird. Buchen Sie eine der von verschiedenen Reiseveranstaltern zahlreich angebotenen Touren (es würde mich natürlich freuen, wenn es eine FarRail Tours Reise wäre) oder machen Sie eine Reise auf eigene Faust. Alle dazu notwendigen Informationen finden sich auf dieser Homepage (siehe Reiseberichte) bzw. sind unter den auf der Startseite angegebenen Links zu finden: Hans Schäfer (All About JiTong), Rob Dickinson (International Working Steam Locomotives) und Florian Menius (QJ-Country).

Auf zur JiTong Bahn, auf ein letztes Mal!

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