
Unveränderte Situation, immer wieder einen Abstecher wert.

Der Tag, an dem kein einziger Dampfzug mehr über den Jinpeng Pass fährt, naht! In den letzten Tagen des Jahres 2004 und den ersten des Jahres 2005 fuhren täglich nur ein bis vier reine Dampfzüge bei Tageslicht über den Pass.
Bis Ende Dezember erhielten zwei der 14 in Daban stationierten Diesellokomotiven der Reihe DF4B eine Untersuchung. Diese ist nun beendet, und die zusätzlichen zwei Maschinen ließen den prozentualen Dampfanteil auf 15 bis 35 % sinken. Im Durchschnitt von zehn Tagen verhielten sich die Bespannungen der Züge im Abschnitt Daban Haoluku wie folgt:
Trotzdem, der Pass ist immer noch einen Besuch wert. Offizielle Quellen in Daban beteuerten abermals, dass es bis April 2005 Dampfleistungen über den Pass geben wird.
Was kann man an einem Tag mit nur zwei Dampfzügen über den Pass machen, die dazu noch gleichzeitig über den Passabschnitt fahren? Man muss, sich entscheiden, auf welcher Seite des Passes man aktiv sein möchte. Hier die Ergebnisse vom 1. Januar 2005, wo genau diese Betriebssituation vorgefnden wurde:
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QJ 6986 und QJ 7143 (diese Maschine wurde kürzlich von Baiqi an Daban zurück gegeben) bei Wenwu (hinter Wendeheshuo).
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Der selbe Zug (Nummer 33522) hinter Yuzhoudi.
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Der Bahnwärter bei Reshi raucht trotz eisiger Kälte im Freien seine Pfeife.
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Ein eher gewöhnliche Langweiler-Aufnahme: Der Zug befndet sich hinter Sndi auf der Ebene 3.
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Scheitelbahnhof Shangdian wie zu besten (und besseren) Tagen: Im Hintergrund fahren QJ 6986 und 7143 mit ihrem Zug 33522 gerade nach Haoluku aus, während im Vordergund QJ 7009 soeben vom Zug 83077 absetzt, der ab hier nur mit QJ 7040 weiter nach Daban fahren wird. QJ 7009 wird nach Jingpeng zurück rollen um einem weiteren Dampfzug Vorspan zu leisten, der Haoluku bereits mit einer Maschine verlassen hat. Den Pass erreicht er allerdings erst bei Dukelheit.
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Obwohl ich bei meinem letzten Besuch Mitte Dezember 2004 die Loktype der neuen Maschinen, die den Diesellokbestand von Daban in Kürze aufstocken sollen, mehrfach bestätigen ließ, sind zumindest die ersten vier zu liefernden Lokomotiven keine DF4B sondern DF4D. Diese vier Lokomotiven werden wie schon die letzten neuen Dieselloks (DF4D 4171 bis 4180) an Baiqi ausgeliefert. Baiqi wird im Gegenzug die letzten DF4B (9516, 9517 und 9518) nach Daban abgeben. Die Lieferung dieser vier DF4D wird noch vor Ende Januar 2005 erfolgen. Damit wird der Dampfeinsatz über den Pass nicht völlig zum Erliegen kommen, man sollte sich aber auf die ersten Tage ohne Dampfzüge bei Tageslicht einstellen. Daban erwartet übrigens die Abgabe von vier DF4B aus Baiqi. Dort sind aber nur noch drei Maschinen dieser Klasse im Bestand.
Die restlichen sechs der bestellten zehn Dieselloks sollen dann im Februar und März 2005 direkt nach Daban ausgeliefert werden. Es war nicht mit letzter Sicherheit zu ermitteln, welche Type nun ausgeliefert werden soll. Daban besitzt nur DF4B. Damit ist es wahrscheinlich, dass auch die neuen Maschinen dieser Klasse angehören werden.

Aus Baiqi verlautete, dass gemäß einer neuen Entscheidung der Abschnitt Daban Haoluku vorrangig verdieselt werden soll und Baiqi somit noch längere Zeit ein Dampf-Depot bleiben wird. Falls Sie aber meine letzten Berichte noch in Erinnerung haben können Sie sich vorstellen, welche Halbwertzeit diese neuerliche Entscheidung haben wird.
Daban hat immer noch keine Dieseltankstelle. Man tankt jetzt aus Kesselwagen, welche im kleinen Lokschuppen abgestellt sind. Über eine einfache Elektropumpe werden die Dieselloks befüllt. Sorgen bei der Beschaffung von Diesel hat man nicht. Allerdings ist es interessant zu wissen, das Diesel (für minus 35 °C) mit 3,91 Yuan nunmehr teurer als Benin (90 Oktan 3,43 Yuan) ist.
Die Frage, warum man die für handgefeuerte Lokomotiven denkbar ungünstige feinkörnige bis staubartige Kohle verwendet, konnte nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Man behauptete in den Büros, deren Nutzer wohl nie eine Schaufel in der Hand hielten, dass die feinstkörnige Kohle zum Feuern per Hand besser geeignet sei, als Stückkohle. In meiner Studienzeit habe ich selbst Dampflokomotiven gefeuert, um mir das Geld für meine Reisen zu verdienen. Aus meiner Sicht, und ich kenne keinen Heizer, der diese Ansicht nicht teilen würde, waren die faustgroßen Stücken immer wesentlich besser als dieser ganze feinkörnige Abrieb, von dem ein Gutteil durch den Saugzug gleich wieder aus der Esse geflogen ist. Die besten Stücken haben wir immer für die schwierigsten Streckenabschnitte gesammelt. Nach meinem Dafürhalten verfeuert man auf der JiTong Bahn immer noch die Kohle, die für mechanische Feuerungseinrichtungen wie Stoker gedacht und dafür auch gut ist.
Die Stoker seien nicht in (mehr) Betrieb weil es einerseits zu teuer wäre, diese aufzuarbeiten und andererseits die mechanische Feuerung einen etwas höheren Kohleverbrauch als das Feuern von Hand nach sich zöge. Aha! Gute Antwort. Und warum kauft man dann Diesellokomotiven? Sie sind in Anschaffung und Betrieb teuerer als Dampflokomotiven und ersparen dem Personal körperlich anstrengende Arbeit. Genau wie ein Stoker.
Falls Sie keine Zeit oder Lust haben, neue Fotomöglichkeiten zu entdecken, hier sind zwei: Der Shnee bei Gongzhugeng (Prinzessinnen Hügel) ist noch nicht durch Massen von Fotorafen zerlatscht, NOCH nicht. Hier kann man gut fotografieren: Der linke Stern ist dem ersten Bild zugeordnet, der rechte dem zweiten:
Es gibt auch positive Nachrichten. Auf einem Meeting wurde bekannt gegeben, dass die nächsten zehn Dieselloks für 2005 die letzten seien. Damit haben die verbliebenen QJ eine Überlebenschance bis 2006. Aber bevor man sich jetzt zu früh freut, sollte die nächste Entscheidung abgewartet werden, die die voran gegangene wieder negiert. Man schickt immer noch Dampflokomotiven zu Untersuchungen. Das will aber nichts anderes bedeuten, als dass man voll betriebsfähige Maschinen verschrotten wird, so wie man es jetzt bereits handhabt.
In den letzten Tagen trafen wir entlang der Strecke an die 100 Dampfenthusiasten. Manchmal erinnerte die Szenerie eher an eine deutsche Plandampfveranstaltung denn an regulären Dampfeinsatz auf der JiTong Strecke. Trotzdem gab und gibt es immer noch viele Plätze, an denen man ganz ungestört die Dampfzüge genießen kann weil die meisten Gruppen nur an die bekanten Stellen und dorthin fahren, wo es eine Möglichkeit gibt, mit dem Bus vorzufahren. Auch wenn mich dafür einige nicht besonders mögen werden, werde ich weiterhin Aufnahmen von Stellen veröffentlichen, die (zu Unrecht) weniger bekannt und daher noch nicht von den Massen besucht (oder auch heimgesucht) werden. Jeder soll seine Chance haben, auch wenn der Reiseleiter nicht besonders gut mit der Strecke vertraut ist und auch die Landkarten und Informationen auf meiner und anderen Internetseiten nicht effizient nutzt. Hier eine mehr detaillierte Landkarte zum Abschnitt Daban - Chabuga:


Die verbliebenen Wasserlöcher für Dampflokfreunde bringen es zwangläufig mit sich, dass man mehr und mehr auf gleich Gesinnte trifft. Man sollte sich darauf einstellen, höflich bleiben und sich arrangieren. Jeder möchte seinen persönlichen Superschuss setzen, daher ist Rücksichtnahme immer noch die beste Art und Weise, miteinander umzugehen. Es ist durchaus möglich zu guten Aufnahmen zu kommen, ohne andere dabei zu stören. Auf den sieben Fahrten zum Pass im Jahre 2004 gab es nur ein einziges sehr unerfreuliches Zusammentreffen mit anderen Fotografen.
Ein Dampfzug befand sich noch im „Level 1“ als sich unsere Gruppe hinter Sandi („Level 2“) eine Position suchte. Zwei britische Eisenbahnfreunde befanden sich bereits nahe einer Stelle, die wir auch für uns als optimal auserkoren hatten. Als wir uns näherten, sprang einer der beiden auf den Bahndamm und schrie uns aus voller Kehle an „Shut up ...“ (Haltet die Fresse ...). Die Punkte stehen für etwas sehr Unfreundliches. Niemand von uns konnte ahnen, geschweige denn sehen, dass er bereits eine Tonaufnahme zu laufen hatte. Hätte er seinen Finger auf den Mund gelegt, hätten wir ihn auch verstanden und uns entsprechend verhalten. Auf jeden Fall hätten wir uns wohler gefühlt.
Wenn man heute noch zu guten Tonaufnahmen kommen will, dann sollte man sich entweder dorthin stellen, wo für gewöhnlich keine Foto- und Videografen auftauchen oder aber die Nachtstunden nutzen. Beides, also gute Fotos und gute Tonaufnahmen auf einmal zu bewerkstelligen zu wollen, wird in den meisten Fällen wohl nicht (mehr) von Erfolg gekrönt sein. Man sollte sich vorher entscheiden, was man möchte. Auch wenn einmal ein anderer Fotograf unerwünschter Weise im Bild steht, sollte man das nicht zu tragisch nehmen. Wenn ich meine Aufnahmen so ansehe, sind immer noch rund 15 % durch eigenes Verschulden (Belichtungsfehler, Unschärfen etc.) reif für den Papierkorb, während die „Verlustquote“ durch andere Fotografen deutlich unter fünf Prozent liegt. Die seltenen, wirklich guten Aufnahmen sind auch nie durch andere Fotografen oder Videografen gestört worden. Also sollte man die Schottersteine lieber da lassen, wo sie sind, und sich auf andere geeignetere und gesundheitsförderlichere Maßnahmen beschränken, um seinem fotografischen Geschmack angepasst zu Fotografieren, Filmen oder „Tonen“.
Allzeit Gutes Gelingen wünscht Ihnen
Bernd Seiler

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