Reisebericht China Winter 2004

Unregelmäßigkeit in der Horizontlinie, bei Chabuga, 10. Februar 2004

Übersicht:

Dahuichang

Sonnenuntergang in Dahuichang, Februar 2004

Gut wie ehedem. Eine Nachmittagsschicht auf dieser Bahn erbrachte Aufnahmen von neun Zugpaaren bis 17 Uhr, wo die Schicht wechselt. Es gibt derzeit angeblich keine Pläne, die Bahn einzustellen oder die Lokomotiven zu ersetzen.

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Zhungeer

Diese Strecke ist nach wie vor einen Besuch wert. Die dankenswerter Weise von Ronald Olsen zur Verfügung gestellten Informationen veranlassten uns, nach Fuxingcheng zu fahren. Drei Kilometer südlich und zwei Kilometer nördlich dieser Station sind noch keine Masten für die Elektrifizierung der Strecke aufgestellt. Daher gibt es hier noch reichlich Potenzial für gute Aufnahmen. Neben diesem bekannten Abschnitt gibt es in der ersten Steigung für Leerzüge hinter Xüejiawanfangmie ebenfalls noch einen Abschnitt von ca. zwei Kilometern Länge ohne Masten. Alle Brücken sind ebenfalls noch ohne E-Masten. Allerdings liegen die fehlenden Masten (auch die für die Brücken) bereits im Depotgelände in Xüejiawanfangmie. Sie sollen aufgestellt werden sobald es die Temperaturen ermöglichen. Die elektrische Traktion soll "noch vor dem nächsten Winter" Einzug halten. Ein genaues Datum konnte niemand nennen. Daher sollte man so schnell wie möglich einen Besuch auf dieser landschaftlich herausragenden Strecke einplanen.

loco shed Zhungeer, February 2004

Eine detaillierte Karte zum Auffinden der Station Fuxingcheng ist auf der Internetseite von Florian Menius bereits verfügbar: http://www.qj-country.de/. Um die zwei von Masten unverseuchten Kilometer hinter Xüejiawanfangmie (das ist die Station, in der sich auch das Depot befindet) zu erreichen, muss man einen Minibus oder einen Jeep mieten. Man kann diesen Abschnitt über die ehemaligen Baustraßen oder aber auch zu Fuß erreichen. Die Straßen parallel zur Strecke stammen noch vom Bau derselben und lassen seitdem jegliche Art von Unterhaltung missen. Daher sind diese nach Regen oder Schnee kaum passierbar.

Die Maschinen befinden sich in relativ schlechtem äußeren Zustand. Zumindest einige Maschinen scheinen auch in technischer Hinsicht nicht mehr im besten Zustand. Bei einer Mitfahrt sank der Kesseldruck beim Passieren des ersten Scheiteltunnels auf unter neun Atmosphären ab.

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Jalai Nur

the passenger returns to the southern station, Jalai Nur, February 2004

Der weite Weg zum Kohletagebau nach Jalai Nur hat sich wieder einmal gelohnt. Es gab keine nennenswerten Änderungen gegenüber meinem Bericht vom Januar 2003. Während des Frühlingsfestes sahen wir zwölf, einen Tag später 17 Maschinen im Einsatz. Die abgestellten Lokomotiven nahe dem Süd-Depot waren genauso verschwunden wie die noch im Januar 2003 abgestellt vorhandenen JF-Maschinen. Über Pläne zur Verdieselung oder Elektrifizierung ist nach wie vor Nichts bekannt.

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Dayan Kohlemine

good for coal transport ... Dayan, February 2004

Trotz des Versprechens, die Lokomotiven bei unserem Besuch gedreht zu haben, so dass sie Schornstein voran die Steigung hinauffahren würden, erlebten wir die Bahn wiederum nur mit Tender voran fahrenden Lokomotiven. Die Drehscheibe war seit Wochen ungenutzt unter einer dicken Schneeschicht begraben. Die Regel, dass die Lokomotiven jeden Monat gedreht werden, gilt seit letztem Jahr nicht mehr. Damit gibt es nur noch Tender voran fahrende Züge auf dieser ansonsten an Fotostellen recht gesegneten Strecke. Diese Regelung sei aus "Sicherheitsbedenken" entstanden, da man nicht Schornstein voraus die Steigungen befahren möchte. Man befürchtet, dass bei Bergfahrt sonst die Stehkesseldecke von Wasser entblößt werden könnte. Entweder habe ich da etwas nicht richtig verstanden oder aber die Konstruktion der Kessel bei der SY muss wohl nicht ganz der üblichen Bauweise entsprechen (tut sie aber) ...

Eine Streckenskizze zu dieser Bahn befindet sich bereits im Bericht vom Januar 2003.

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Meihekou Kohlemine

Wie dem Bericht von Florian Menius zu entnehmen, ist auch diese Bahn einen Besuch wert. Obwohl auf den Strecken dieser Mine an ruhigen Tagen sehr wenige (und kurze) Züge verkehren können, bleiben immer noch die Personenzüge. Bei der südlichen Mine in Sanjing befindet sich eine Abraumhalde, die auch mit Abraumzügen aus anderen Minen bedient wird. Entgegen anderen Sichtungen wurde bei unserem Aufenthalt die Mine in Wujing mit Zügen bedient.

Zhonghe halt, February 2004

Die Landschaft mag vielen als unspektakulär flach vorkommen. Trotzdem gibt es einige gute Fotomöglichkeiten, von denen uns am Besten die beiden kleinen Steigungen zwischen Zhonghe und Sanjing gefallen haben. Zhonghe ist ein Haltepunkt für Personenzüge auf dem Bahnübergang. Einen Bahnhof gibt es dort nicht. In Zhonghe gibt es auch eine christliche Kirche.

Die Minen sind verhältnismäßig klein. Die Bahnhöfe sind dementsprechend sehr einfach gehalten. Trotzdem habe sie viel Charme, besonders die Stationen, bei denen auch eine der elektrischen Grubenbahnen ans Tageslicht kommen.

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JiTong Bahngesellschaft

still 100 percent steam: Depot Daban, February 2004

Am Montag dem 17. Januar 2004 fand ein Treffen des JiTong Managements statt, auf dem Fragen zur weiteren Verwendung von Dampflokomotiven erörtert wurden. Da wir genau an diesem Tag zu Besuch im Depot waren, können wir mit aktuellen Informationen dienen. Die gute Nachricht zuerst: Es wurde entschieden, im Jahre 2004 keine neuen Diesellokomotiven zu kaufen. Leider gibt es auch schlechte Nachrichten. Nachdem das Datum für die Vollverdieselung des Abschnittes Chabuga – Zhelinmu (Tongliao) zum 20.1.2004 wegen Mangel an Dieselloks nicht gehalten werden konnte, wurde ein neues Datum mit dem 1.4.2004 festgelegt (kein Aprilscherz!). Zum 1.4.2004 sollen alle Leistungen auf diesem Abschnitt mit geleasten Staatsbahndieseln (DF4B) erbracht werden, einschließlich der Personenzüge, die bis zum Schluss mit Dampf gefahren werden.

Bei unserem Besuch Mitte Februar 2004 waren noch ca. 70 % aller Leistungen dampfbespannt.

Der nächste Kandidat für die vollständige Verdieselung ist der Abschnitt Baiqi – Benhong (Jining Nan). Derzeit beheimatet Baiqi noch 28 QJ, von denen (neben den bereits vorhandenen DF4D) sechs auf besagtem Abschnitt eingesetzt werden. Dazu kommen noch zwei Maschinen, die exklusiv für die Personenzüge vorgehalten werden. Auf dem Meeting wurde festgelegt, dass die JiTong Bahngesellschaft für die Verdieselung dieses Abschnittes gebrauchte Staatsbahndieselloks erwerben wird. Die überzähligen acht QJ sollen danach nach Daban gegeben werden, wo sie ältere QJ aus dem Dienst verdrängen werden. Alle Dieselloks, die in den letzten Monaten als Güterwagen in Züge eingestellt am Pass gesehen wurden, sind damit Lieferungen an Bahnen weiter westlich von Jining Nan gewesen.

train crossing in Gulumanhan, 16.2.2004

Baiqi wird auch nach dem Neuzugang von Dieselloks ein Dampf-Bw bleiben. Die QJ werden dann allerdings nur noch im Abschnitt nach Haoluku eingesetzt. Ein Telefonat mit dem Depotchef von Baiqi ergab als Abstelltermin für die verbleibenden QJ: §"vor 2010". Tja, wenn man die ständigen Terminverschiebungen der vergangenen Jahre verfolgt hat, wird man verstehen, warum sich der Depotchef nicht genauer festlegen möchte.

Die Verwendung von Dampf auf dem Abschnitt Baiqi – Haoluku – Daban – Chabuga war ebenfalls Gegenstand der Besprechung. Mit ziemlicher Sicherheit wird man auf diesem Abschnitt in diesem Jahr nichts an der Bespannung ändern. Nach dem Frühjahr 2005 will man jedoch schrittweise die Dampflokomotiven durch Diesellokomotiven ablösen. Das Ende des Mischbetriebes mit Dampf und Diesel wird nicht vor Ende 2005/Anfang 2006 erwartet. Der letzte Abschnitt für die Verdieselung wird höchstwahrscheinlich der Abschnitt Daban – Haoluku sein, in dessen ungefährer Mitte sich Jingpeng befindet.

Obwohl das wirklich gute Neuigkeiten für Dampfliebhaber sind darf nicht darüber hinweg gesehen werden, dass Entscheidungen in China manchmal einer sehr kurzen Halbwertzeit unterliegen. Falls man in Beijing oder Huhehaote (Hohhot) die Sofortverdieselung aus Prestigegründen vorsieht, kann es quasi über Nacht mit aller Dampfherrlichkeit am Pss vorbei sein.

Momentan werden die Hauptuntersuchungen an den QJ der JiTong Bahngesellschaft im Staatsbahn-Ausbesserungswerk Jilin durchgeführt.

The morning freight from Chabuga heads for Fuxengdi in the first rays of the  sun. I didn't pushed the colours! It's real! February 2004

Die Zugdichte schwanke während unseres Besuches zwischen zehn (kein Tippfehler, es waren wirklich zehn!) Tageslichtzügen über den Pass aus einer Richtung (von West nach Ost) bis zu drei in der Ost – West Richtung (plus fünf in der Gegenrichtung), jeweils bei Tageslicht. Am Tag mit dem höchsten Zugaufkommen sahen wir drei Züge, die mit nur einer Maschine von Haoluku aus nach Jingpeng kamen. Um diesen Zug über den Pass zu bringen, wurde die Zuglok (nicht die Vorspannlok!) des vorausfahrenden Zuges in Shangdian (dem Scheitelbahnhof) abgekuppelt und als Tender-Voran Lz zurück nach Jingpeng geschickt. Dort wurde sie wiederum als Zuglok dem mit einer Maschine wartenden Zug beigegeben und lief mit diesem nun bis Daban durch, während der vorausfahrende Zug mit nur einer Maschine dort eintraf. An besagtem Tag waren die Strecke und ihre Bahnhöfe nahezu zu 100 % ausgelastet.

Im Depot von Daban scheint sich fast die Hälfte der Belegschaft zu Verkäufern von gestohlenem Bahneigentum zu verwandeln, sowie ausländische Besucher auftauchen. Einige werden mittlerweile regelrecht aggressiv und versuchen Fotos zu verhindern, sofern man noch nicht eines der gestohlenen Wagenschilder, Uniformteile und Abzeichen oder nachgegossenen Fabrikschilder gekauft hat. Diese unerfreuliche Entwicklung ist leider ausschließlich auf das Verhalten zahlreicher Besucher zurückzuführen. Es wäre wünschenswert, wenn zukünftige Besucher diesen Offerten widerstehen könnten und stattdessen für den Erwerb dieser Sachen den offiziellen Weg über den örtlichen Parteisekretär, der im nagelneuen Verwaltungsgebäude in der dritten Etage residiert, wählen würden. Dort sind diese Dinge keineswegs teuerer als bei den Arbeitern selbst.

hazy morning near Shangdian, February 2004

Der Eintritt für das Depot beträgt weiterhin 200 Yuan. Obwohl dieser Betrag gemessen an seiner Kaufkraft von mir als zu hoch empfunden wird (ich habe lediglich ein einziges (durchaus verzichtbares) Bild beim jetzigen Tagesbesuch gemacht), sollte man sich überwinden und diese Investition tätigen. Man bekommt das weltweit größte Dampfdepot zu sehen, in denen an manchen Tagen mehr als 20 Maschinen unter Dampf stehend (plus zahlreicher kalter, in Reparatur befindlicher oder abgestellter Lokomotiven) zu erleben sind. Das Geld fließt nicht wie am Jingpeng Pass, wo die Mafia weiter ihr Unwesen treibt, in private Schatullen, sondern speist einen Sozialfond, aus dem zum Beispiel Bäume im Depot gepflanzt wurden.

Lieber Leser, falls Sie es bis heute noch versäumt haben, dem Jingpeng Pass einen Besuch abzustatten, kann nur dringend angeraten werden, so bald als möglich dieses unvergessliche Erlebnis zu planen. Alle Teilnehmer der Wintertour, die vorher noch nicht am Pass gewesen sind, empfanden diesen als eine gigantische Show, besser als großartiges Kino und als ultimativen Kick für den Dampfliebhaber. Sicher, es gibt eine menge Leute, die an den Pass fahren und dann möglicherweise selbst oder mit ihren Fahrzeugen das eine oder andere Motiv beeinträchtigen, aber bevor man sich über zwei, drei misslungene Aufnahmen ärgert, sollte man sich besser an den restlichen einhundert erfreuen, die nicht beeinträchtigt wurden. Und das einmalige Erlebnis gibt es noch gratis dazu!

The last "daylight" freight arrives Shangdian, February 2004

Natürlich haben wir auch die ganzen Standard-Aufnahmen gemacht ...

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