Dieser Reisebericht erschließt sich dem Leser nur dann vollständig, wenn er die vorangegangenen der letzten beiden Berichte über Reisen zur JiTong Bahn gelesen hat oder mit der Materie vertraut ist.

Auf dem Abschnitt Daban Chabuga verkehrten Mitte August 2005 ca. 95 % aller Züge mit QJ, der Rest mit DF4B. Die Zugdichte war mit bis zu 20 Zügen bei Tageslicht recht hoch. Die Zuglasten lagen zwischen 2.300 Tonnen bei Einfachtraktion und über 3.500 Tonnen bei Doppeltraktion. Es wurde ein Zug mit einer Kombination aus Dampf und Diesel gesehen, sonst gab es nur artreine Bespannungen der Züge.
Neben dem Studentenzug L114/L115 sahen wir einen weiteren Touristenzug mit der Nummer L144, der im Abschnitt Chabuga Daban natürlich mit Dampf (QJ 7010) bespannt wurde. Für L114/115 war QJ 7030 verantwortlich. Die Fahrzeit des L114 wurde kürzlich mit 9.09 Uhr ab Chabuga angegeben. Im August jedoch war die Planzeit Chabuga ab 9.21 Uhr (andere Fahrplanunterlagen sagen 9.23 Uhr), Ankunft Daban 11.58 Uhr. der Zug hatte jeweils 13 grüne Wagen der Staatsbahn. L144 verließ Chabuga um 9.59 Uhr.
Der Fahrplan des Personenzuges im Dampfabschnitt (bei Tageslicht) ist:
| Bahnhof | Ankunft | Abfahrt |
| Daban | 04.16 | 04.34 |
| Gulumanhan | 05.15 | 05.16 |
| Lindong | 06.17 | 06.25 |
| Chabuga | 07.38 | 07.50 |

Die Lokomotiven waren trotz des bevorstehenden Endes der Dampftraktion überwiegend in gutem optischen Zustand. Der technische Zustand hat sich ebenfalls nicht verschlechtert. Bemerkenswert war die Rücküberführung von zwei frisch untersuchten Lokomotiven zum Heimatdepot Daban. Es handelt sich um QJ 7038 und 7081 (beide Untersuchung August 2005), die zusammen mit QJ 7119 (Juli 2005) die wohl letzten Maschinen sein dürften, die eine Untersuchung erhielten. QJ 7038 stand bereits einen Tag nach Ihrer Ankunft wieder unter Dampf und wurde noch in der selben Nacht im Zugdienst beobachtet. QJ 7081 wird ab 17.8.2005 die Personenzuglokomotive. Sie soll für diese Leistung allerdings nur einen Monat eingesetzt werden, danach soll der Personenzug mit Diesellok gefahren werden.
Die hoch dekorierte Personenzuglok QJ 6911 wird am 16.8.2005 außer Dienst gestellt. Im Depot plant man eine kleine Abschiedsfeier. Am 15.08.2005 beförderte die Maschine den Personenzug anstandslos, allerdings mit einer von der Dieseltraktion übernommenen Verspätung von einer Stunde. Bereits am Vortag hatte diese Maschine eine halbe Stunde der dieselverursachten Verspätung wieder eingefahren. Bis zuletzt präsentierte sich die Maschine gepflegt. Es gab keinen augenscheinlichen Grund, die Lok abzustellen, außer dem ungebrochenen Fortschrittsglauben der Chinesen, der sich in der Dieseltraktion manifestiert.
Im Einsatz sahen wir folgende Lokomotiven:

Im Depot Daban gab es derzeit keine weiteren Verschrottungen. Im Lokschuppen befanden sich ausnahmslos einige der reparaturanfälligen Dieselloks der ersten DF4-Generation. Die neuen Dieselloks hingegen schienen ohne Reparaturen zur Zufriedenheit der Eisenbahner zu fahren.
Im Oktober kommen weitere acht neue Diesellokomotiven zum Depot Daban. Es soll sich um DF4B handeln. Diese können aber nicht alle Dampflokomotiven ersetzen, so dass von irgendwoher weitere Dieselmaschinen beschafft werden müssen. Woher diese kommen sollen, konnte niemand sagen. Es ist eher wahrscheinlich, dass sich bewahrheitet, was viele Beschäftigte in Daban denken: Sie werden auch noch im November und Dezember 2005 rund ein Dutzend Dampflokomotiven einsetzen.

Entgegen anders lautender Berichte befinden sich die Dampflokomotiven von Baiqi immer noch dortselbst. Sie sind weiterhin betriebsfähig abgestellt. Insgesamt sind 23 Maschinen in unterschiedlichem Zustand vorhanden.
Es gibt ernst zu nehmende Gerüchte, dass zum Jahresende zumindest einige dieser Lokomotiven vorübergehend wieder in den Zugdienst zurückkehren werden. Dies könnte mit einem anderen Gerücht passen, nämlich dass Daban vorübergehend zur Vollverdieselung des Abschnitts Daban Chabuga einige Dieselloks aus Daban zugewiesen werden sollen. Was nun genau geschehen wird, wird man wohl erst wissen, wenn es passiert ist. Oft schon haben sich Planungen überholt, bevor eine Realisierung anstand.
Wie geplant hat man auf mehreren Bahnhöfen damit begonnen, die Gleise zu verlängern und zusätzliche Gleise anzulegen, um längere und schwerere Züge verkehren zu lassen. In Shangdian zum Beispiel dürfte die Gleisverlängerung noch vor dem kommenden Winter in Betrieb gehen.
Die Strecke Lanqi Sanggendalai ist ein eigenständiges Projekt, dass nicht unbedingt mit der JiTong Bahn zu tun hat. Große Veränderungen stehen an: Die JiTong Bahn, eine der wohl erfolgreichsten Provinzbahnen Chinas (trotz der jüngsten Defizite, die aus der Verdieselung resultieren), soll komplett an die Staatsbahn verkauft werden. Dies soll bereits in wenigen Monaten passieren. Der Verdacht drängt sich auf, dass die zügige Verdieselung der Bahn ohne ökonomischen Grund (ökologische gibt es in China kaum) deshalb vorangetrieben wird, weil sich so letztendlich ein höherer Verkaufspreis erzielen lässt. Das Projekt einer Bahnverbindung von Daban nach Chifeng ist nun ein Staatsbahnprojekt. Angesichts des noch nicht erfolgten Baubeginns ist allerdings der Eröffnungstermin 2008 nicht sicher.
Zurück zur Neubaustrecke nach Lanqi. Die Strecke ist nicht als Stichstrecke der JiTong Bahn geplant, sondern als Vollendung der Strecke nach Xilinhaote. Sie verbindet ein Kraftwerk mit einer Kohlemine und soll nicht von der ohnehin in Bälde verbleichenden JiTong Bahn betrieben werden. Derzeit betreibt die JiTong Bahn die Strecke nach Xilinhaote. Das könnte sich mit der Betriebsaufnahme auf der Gesamtstrecke (die zwar für den Herbst 2005 terminiert ist aber wohl nicht vor Winter 2005/2006 stattfinden wird) ändern. Einiges deutet darauf hin, dass das Dampf-Depot, das zusammen mit der Strecke nach Xilinhaote in Sanggendalai errichtet wurde, doch keine Investitionsruine ist. In den Statuten der JiTong Bahn steht unter anderem geschrieben, dass sie Arbeit in diese unterentwickelte Region bringen soll. Das hat sie auch getan. Nun allerdings werden die Verträge mit den Heizern nicht mehr verlängert. Es sein daran erinnert, dass die Heizer und das ungelernte Servicepersonal keine unbefristeten Arbeitsverträge erhielten, sondern immer nur Zeitverträge. Eine Entlassungswelle steht also bevor. Wer sich nicht sozial verträglich abbauen lässt, könnte also auf der neuen Strecke vorrübergehend einen neuen Job finden. Zu den Verkaufsabsichten der Bahn in Zusammenhang mit der Beschäftigungspolitik der Provinzregierung der Inneren Mongolei passt auch, dass die Verträge für das Servicepersonal in Linxi und Jingpeng bis 2006 verlängert wurden, obwohl seit Ende März 2005 gar keine Dampflokomotiven mehr über den Pass gefahren sind. Die nächsten und wahrscheinlich letzten Dampfzüge über den Pass werden vom 8. bis 10. Oktober 2005 gegen eine sechsstellige Dollarsumme verkehren. Dafür sind zwei Maschinen vorgesehen, die nicht nur den unechten Sonderzug über den Passabschnitt befördern sollen, sondern auch mindestens einen Güterzug mit Vorspann.
Obwohl nichts bestätigt werden konnte, passen auch bei neutraler Bestandsaufnahme mehrere Puzzelteile so zusammen, dass man eine Eröffnung der Neubaustrecke Lanqi - Sanggendalai (- Xilinhaote) mit Dampflokomotiven vermuten kann. Dem entgegen steht, dass einerseits die Verantwortlichen der Stadt Xilinhaote sich gerne modern geben, wobei Dampflokomotiven (im Gegensatz zu den allgegenwärtigen Eselskarren) eher nicht ins Bild passen. Zudem ist es bei einer Großinvestition wie dem Bau eines Kraftwerkes und einer Neubaustrecke durchaus möglich, dass Banken auch Kredite für die Beschaffung moderner Traktionsmittel zur Verfügung stellen. Es bleibt jedenfalls spannend. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ca. 20 km von Chifeng entfernt befindet sich an der Staatsbahnstrecke Chifeng Jinzhou der Bahnhof Malin. Hier zweigt eine ca. 3 km lange Strecke zur Kohlemine in Hongwei ab. Diese Strecke wird mit SY bedient. Es reicht eine Maschine für das Verkehrsaufkommen aus. Einsatzlok war Anfang August SY 1565. Diese Lok stand Tender voran für die beladenen Züge zum Staatsbahnhof Malin. Die Strecke führt durch einen kleinen Wald und bietet wenig fotografisches Potential.
Die Reservemaschine befindet sich im Schuppen in Hongwei.

Bei einem kurzen Besuch konnten folgende Maschinen unter Dampf gesehen werden:
SY
Es gab keine Veränderungen gegenüber früheren Berichten.

© FarRail Tours - e-mail: Bernd Seiler - zurück zu FarRail Tours
Click here to return to FarRail Tours